Uober Kant’s mathematisches Vorurtlieil und dessen Folgen.
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Durch die Annahme reiner Anschauungen des Raumes
und der Zeit dehnt sich das Hume’sehe Problem über die
Grenzen fies Verstandes auch auf das Gebiet der Sinnlichkeit
aus. Zu den Begriffen, durch welche der Verstand a priori die
Verbindungen der Dinge denkt, treten nun noch die Anschauungen
hinzu, durch welche der Sinn a priori, d. i. vor aller
Wahrnehmung eines Gegenstandes schaut, und ohne welche
demnach ebensowenig eine Erscheinung, wie ohne jene eine
Erfahrung gedacht werden kann. Nur. durch die Annahme
sämmtlicher dem Erkenntnissvermögen inwohnender apriorischer
Elemente als allgemeiner und nothwendiger Form (des Zusatzes)
der durch die Sinne gegebenen Empfindungen (des
Grundstoffs) wird eine in sich zusammenhängende, für alle
Wesen gleichartiger Organisation gleichlautende Erfahrung begreiflich.
Der Inbegriff derselben bildet den unverlierbaren
Besitz des denkenden Subjects, ohne welchem keine Erfahrung,
welcher aber selbst nicht aus der Erfahrung ist. Selbe
machen gleichsam das Inventar ium des Denkenden vor
jeder Besitznahme desselben durch die Zufuhr von Aussen
aus, welches Apriori durch diese eben so wenig gegeben als genommen
werden kann. Stellt die mit Hilfe derselben gewonnene
Erkenntniss Physik, so stellt der unabhängig von
aller Erfahrung vorhandene apriorische Besitz des Erkenntnissvermögens
sammt allen daraus abgeleiteten Begriffen Metapliysik
dar, welche die reine Mathematik und reine Naturwissenschaft
mit in sich begreift.
Aber auch über die Gebiete der mit dem Erkenntnissvermögen
nach Wolf’schor Psychologie, der Grundlage der Kritik,
verbundenen anderweitigen Seelenvermögcn erweiterte sich unter
Kant’s Händen das Plume’sche Problem. Hume, wie seine
schottischen Landsleute A. Smith und Hutchesen, und vor
ihnen der Engländer Clarke, liessen in moralischen und ästhetischen
Dingen die Aussprüche der Vernunft, die von ihnen
bald Sympathie, bald moralischer Sinn oder Schicklichkeitsgefühl
genannt wurde, als untrüglich gelten. Kant in der Kritik der Urtheilskraft
und der praktischen Vernunft wies apriorische Elemente,
wie jene des Erkenntnissvermögens, auch im Gefühls-
und Begehrungsvermögen nach und gründete
darauf, indem er den Namen Metaphysik auf alle unabhängig