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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

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Zimm  ermann.

reinen  Anschauung  des  Raumes  nach  sich,  weil  sich  nur
unter  dieser  (hypothetischen)  Annahme  die  (psychologische)
T  hat  Sache  erklären  lässt,  dass  die  geometrischen  Urtlieile
mit  dem  Bewusstsein  der  Nothwendigkeit  verbunden  auftreten.
Ohne  jenes  Vorurtheil  wäre  diese  ganze  Annahme  überflüssig ­
  !
Nicht  die  Apodikticität  der  mathematischen  Urtlieile  für
sich,  sondern  nur  in  Verbindung  mit  der  vermeintlichen  synthetischen ­
  Natur  derselben  nöthigt  zur  Annahme  reiner,  d.  i.
,vor  aller  Wahrnehmung  eines  Gegenstandes  in  uns  angetroffenen' ­
  Anschauung.  Wenn  jedes  mathematische  Urtlieil
synthetisch,  d.  li.  die  Verbindung  zwischen  Subject  und  Prädicat
  nur  durch  Vermittlung  einer  Anschauung  herstellbar  ist,
dann  freilich  darf,  soll  es  zugleich  apodiktisch,  d.  h.  mit  dem
Bewusstsein  seiner  Nothwendigkeit  verbunden  sein,  diese  Anschauung ­
  keine  ,gemeine'  empirische,  sondern  muss  eine
,reine',  d.  h.  nicht-empirische  sein.  Das  Eine  fordert  das  Andere ­
  ;  die  synthetische  Natur  der  mathematischen  Urtlieile
aber,  die  Wurzel  der  Kritik,  ist  nur  durch  einen  Fehlschluss
gefordert!
In  der  Methode  seines  Vorgehens  selbst  mochte  Kant,
wie  er  an  einer  Stelle  (I.  78)  andeutet,  eine  Analogie  des  Verfahrens ­
  der  Newton’schen  Physiker  erblicken.  Wenn  die  bekannte ­
  Natur  eines  Objectes  uns  auf  keine  andere  Weise  erklärbar ­
  scheint,  als  durch  die  Annahme  einer  gewissen  Hypothese, ­
  so  hat  diese  letztere  in  unseren  Augen  gerade  so  viel
Wahrscheinlichkeit  für  sich,  als  wir  Zuversicht  besitzen,  dass
eine  andere  Erklärung  obiger  Thatsache  unmöglich  sei.  Das
Object  in  diesem  Fall  ist  die  Mathematik,  deren  ,bekannte
Natur'  in  Kant’s  Augen  in  der  Apodikticität  und  synthetischen
Beschaffenheit  ihrer  Sätze  besteht.  Da  er  nun  mit  vollkommenem ­
  Recht  behauptet,  diese,  nämlich  die  Vereinigung  beider
obiger  Eigenschaften,  lasse  sich  auf  keine  andere  Weise  erklären, ­
  als  durch  die  Annahme  einer  reinen  Anschauung,  so
war  letztere  Hypothese  in  seinen  Augen  vollkommen  gerechtfertigt. ­
  Sie  wäre  es  auch  in  der  unseren,  wenn  Kant’s
oben  beurtheilte  Beweise  unsern  Z\veifel  an  der  synthetischen
Natur  der  mathematischen  Urtlieile  zu  besiegen  vermocht
hätten.
            
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