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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

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Goldzilier.

fener;  die  meisten  Gattinen  wird  unter  euch  im  Paradiese  derjenige ­
  besitzen,  welcher  auf  Erden  die  meisten  Gebete  verrichtete; ­
  noch  andere  meinen,  er  müsse  dabei  die  Absicht
haben,  Gott  um  Verzeihung  für  das  unzulängliche  Betreiben
der  religiösen  Pflichten  und  um  Vergebung  für  die  Sünden
zu  bitten,  denn  die  Handlungen  werden  nach  den  der  Vollziehung ­
  derselben  zu  Grunde  liegenden  Absichten  beurtheilt;
andere  meinen,  er  müsse  sich  dabei  denken:  nun  will  ich
eine  That  vollziehen,  welche  meine  sämmtlichen  Gliedmassen
beschäftigen  wird, 1  damit  mir  Gott  vergebe  durch  die  Segnung
derselben;  hierauf  deutet  auch  der  Ausspruch  des  Propheten: ­
  Wenn  dieser  (Mensch)  das  Herz  demüthig  beugt,  so
beugen  sich  auch  sämmtliche  Gliedmassen.' 2  Endlich  wird
behauptet,  man  müsse  beim  Gebete  die  Absicht  haben  einen
Streit  und  Kampf  zu  führen,  denn  der  Betende  zieht  gegen
den  Satan  zu  Felde;  desswegen  wird  auch  die  Gebetsnische
  genannt,  denn  sie  ist  ein  Ort  des  Kampfes; ­
  diesbezüglich  sagte  Muliammed:  ,So  wie  das  Blut  im
Menschen  kreiset,  so  kreiset  auch  der  Satan  in  ihm/ 3  Wir
sehen,  wie  hier  das  Wort  mihräb  eine  etymologische  Begründung ­
  in  ethischem  Sinne  findet;  natürlich  wurde  nicht  in  Betracht ­
  gezogen,  dass  die  ursprüngliche  Anwendung  dieses  Wortes
durchaus  keine  kirchliche  war,  dass  es  vielmehr  von  der  Privatwohnung ­
  des  Arabers  auf  den  moralischen  Kriegsschauplatz ­
  übertragen  wurde,  und  dass  selbst  in  einer  Koranstelle,' 1
wo  es  vom  Vater  Johannis  Baptistae  heisst:  ,und  er  ging
hinaus  zu  seinem  Volke  aus  dem  mihräb/  die  Commentatoren
eine  zweifache  Erklärung  zulassen,  nämlich  die  Deutung  des
Wortes  als  Gebetsort  und  die  als  gewöhnliches  coenaculum. 5

1  Aehnlich  wird  im  Talmud  der  Vers  Ps.  XXXV.  v.  10  auf  die  Haltung  des
Körpers  beim  Gebete  bezogen.
2  Hiemit  sind  die  sogenannten  gemeint.
3  Vgl.  das  neuhebräische  Sprichwort:  Vflipbat  J'3  la’iX  D"JK  bs  und  den

Ausspruch  Muhammeds:  ^  viLÜS  iJjcU
4  Sure  XIX  v.  12.
5  Beidäwi  z.  St.  Bd.  I  S.  577  Z.  25.  Vgl.  Commentar  zuHariri  2.  Ausg.
S.  78  Z.  9.
            
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