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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

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Goldziiief.

Betracht  zieht,  welchen  Rang  die  Kenntniss  der  Grammatik  im
Islam  einnahm,  wie  sie  bei  Königen  und  Fürsten  hoch  in  Ehren
stand,  so  dass  es  zu  deren  gröbsten  Missethaten  gehörte:  Sprachschnitzer ­
  zu  begehen. 1  Einem  Ketzer  so  argen  Mangel  unterzuschieben, ­
  konnte  daher  für  einen  fanatischen  Kritiker  nicht  so
gleichgültig  sein,  seine  Kritik  auf  den  glaubenstreuen  Leser
einen  nicht  so  unbedeutenden  Eindruck  üben,  als  dies  bei  dem
europäischen  Nichtmuslim  der  Fall  ist.  —  Die  eben  berührte
Art  von  Kritik  liess  ihre  Spuren  bis  in  die  neueste  Zeit  zurück.
Der  berühmte  Sektirer  Bäb  musste  mit  den  ihm  feindlich  gegenüberstehenden ­
  Theologen  ein  Colloquium  bestehen.  Mollah
Muhammed  richtete  an  ihn  die  Frage:  ,Wodurch  kannst  du
uns  von  der  Wahrheit  deiner  Lehren  überzeugen?'  ,Durch
meinen  Koran/  erwiderte  Bäb,  und  las  auf  Verlangen  der
Anwesenden  einige  Bruchstücke  der  Gottesbotschaft,  welche  eisernen ­
  Gläubigen  zu  bringen  vorgab  und  welche  nach  dem
Muster  des  muhammedanischen  Koran’s  abgefasst  waren,  jedoch
von  Sprachfehlern  gestrotzt  haben  sollen,  und  deshalb  seine
Feinde  zum  Lachen  und  Spotten  brachten.  Der  Fürst  richtete
an  Bäb  einige  grammatische  Fragen,  auf  welche  dieser  natürlich ­
  nicht  erwidern  konnte. 2
Wenn  wir  nun  Grund  genug  haben  anzunehmen,  dass  an
den  oben  angeführten  ungünstigen  Urtheilen  der  religiöse  Fanatismus ­
  kein  geringes  Theil  hatte:  so  haben  wir  keine  Ursache, ­
  dies  von  einem  Berichte  zu  vermuthen,  den  uns  der  biographische ­
  Schriftsteller  Nawawi  über  die  grammatischen
Kenntnisse  der  Reclitsgelehrten  seiner  Zeit  bietet.  Der  eben
genannte  Gelehrte  legt  in  der  Einleitung  zu  seinem  Werke
die  Methode  dar,  welche  er  in  der  alphabetischen ­
  Anordnung  des  sprachwissenschaftlichen  Theiles  seines
Werkes  beobachtete;  er  werde  —  sagt  er  —  nur  die  wurzelhaften ­
  Bestandtheile  des  Wortes  in  Betracht  ziehen,  die  zawäid
  jedoch  ausser  Acht  lassen;  zuweilen  aber  werde  er  sich
veranlasst  sehen,  die  nichtradicalen  Bestandtheile  der  Wörter
bei  der  alphabetischen  Anordnung  gleichfalls  zu  berücksichtigen.

1  Faclir  nr-Räzi  in  Freytags  Chrestomathia  arabica  S.  87  ult.
2  Kasem-beg  Bab  et  les  Babis  in  Journal  asiat.  1806,  I.  S.  362.  Kasembeg
  selbst  bezweifelt  die  Unparteilichkeit  und  Zuverlässigkeit  seiner  Quelle.
            
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