lieber JvanVs mathematisches Vorurtheil und dessen Folgen.
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erst ausser Zweifel, dass dio mathematischen Urtheile, an deren
a priori niemand zweifelt, synthetisch sind, so sind synthetischapriorische
Urtheile in ihnen thatsächlich gegeben, und da,
was wirklich ist, doch auch möglich sein muss, so haben wir
blos die Bedingungen zu untersuchen, unter welchen mathematische
Erkenntnisse möglich sind, um daran die Bedingungen
zu besitzen, unter welchen synthetisch-apriorische Urtheile überhaupt
möglich sind, woran sich dann wieder die Untersuchung
knüpft, ob diese Bedingung auch bei synthetisch-apriorischen
Urtheilen, die nicht - mathematischer Natur sind (z. E. metaphysischen),
erfüllt zu werden vermögen.
Das ist der Grund, warum Kant, dem die apriorische
Natur der mathematischen Erkenntniss so gut wie Hiune selbstverständlich
ist, so grosses Gewicht darauf legt, dass die mathematischen
Urtheile durchaus synthetischer Natur seien. Der
fünfte Abschnitt der Einleitung in die Kritik der reinen Vernunft
(II. 46) beginnt mit den durchschossen gedruckten Woiv
ten: Mathematische Urtheile sind insgesammt synthetisch. Kant
fügt die Anmerkung hinzu: dieser Satz scheine den Bemerkungen
der Zergliederer der reinen Vernunft bisher entgangen, ja
allen ihren Vormuthungen geradezu entgegengesetzt zu sein, ob
er gleich unwiderspreclilich gewiss und in der Folge sehr wichtig
sei. Das Letztere ist ausser Zweifel, das Erstere weniger.
Wenn die mathematischen Urtheile nicht synthetisch sind, so
fehlt Kant’s ganzer Vernunftkritik der Boden. In diesem Punkte
hat sein jüngster Geschichtschreiber, Kuno Fischer, richtig
gesehen, auch wenn wir seine Meinung, dass Kant’s Ansicht
von dem Wesen der Mathematik die richtige sei, nicht theilen
können. Der Punkt, wo die kritische Philosophie einsetzt,
sagt er (G. d. n. Pli. 1860. III. S. 284), ist die richtige Einsicht
in die wissenschaftliche Natur der Mathematik. Wir würden
sagen, die Kant ei ge nt hü ml ic he Ansicht von dem
wissenschaftlichen Wesen der Mathematik. Kuno Fischer hat
ganz Recht, wenn er (a. a. 0. S. 284) bemerkt, dass sich durch die
,Einsicht', die mathematischen Urtheile seien synthetisch und
gleichwohl a priori, Kaut von Hume trenne und die neue
Bahn der Kritik betrete. Nur dass diese ,Einsicht' mehr sei als
eine blosse subjective Ansicht Kant’s, scheint uns keineswegs
so ausgemacht, als seinem Historiker. Man braucht die skeptischen