Ueber Kant's mathematisches Vorurtheil und dessen Folgen.
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jener Begriffe. Worauf er, nachdem es ihm mit der Auflösung
des Hume’schen Problems nicht blos in einem besonderen
Fall, sondern in Absicht auf das ganze Vermögen der reinen
Vernunft gelungen war, ,sichere', obgleich immer nur langsame
Schritte thun konnte, um endlich den ganzen Umfang der
reinen Vernunft, in seinen Grenzen sowol als seinem Inhalt
vollständig und nach allgemeinen Principien zu bestimmen,
welches denn dasjenige war, was Metaphysik bedarf, um ihr
System nach einem ,sichern' Plan auszuführen.
Dass es Kant redlich um diese ,Sicherheit' zu thun war,
bedarf wol keiner Versicherung; eher bedürfte seine Versicherung,
dass er sich der Zahl und des Ursprungs jener Begriffe
aus dem reinen Verstände ,versichert' habe, einer solchen.
Denn da er nach seiner eigenen Versicherung der Zahl und
des apriorischen Ursprungs dieser Begriffe schon ,sicher' war,
ehe er an deren Deduction ging, so kann seine Zuversicht auf
deren Sicherheit unmöglich erst auf diese Deduction gebaut,
sondern muss aus andern Quellen geschöpft sein. Die Deduction
wäre streng genommen überflüssig, denn zur Erhöhung
einer Zuversicht, die sich der Zahl und des von der Erfahrung
unabhängigen Ursprungs auch vor derselben und ohne dieselbe
versichert weiss, kann sie nichts mehr beitragen.
Wenn Kant sie demungeachtet nicht nur nicht unterlässt,
sondern mit erklärlichem Stolz auf ein Werk blickt, von dem
ein so scharfsinniger Mann wie Hume ,nichts geahnt' hat,
so scheint es fast, als habe er sich trotz des Versichertseins
sowohl hinsichtlich der Zahl als des apriorischen Ursprungs
jener Begriffe minder sicher gefühlt, als er es scheinen
wollte.
Die Ausdehnung des Hume’schen Problems über alle Begriffe,
,durch welche der Verstand a priori sich Verknüpfungen
der Dinge denkt'-, war aber nicht die einzige Neuerung,
welche Kant an Hume’s Skepsis vornahm. Diese hatte die
mathematischen Urtheile intact gelassen, weil sie ihr analytisch
oder vielmehr identisch und folglich evident schienen. Ungeachtet
er zwar, sagt Kant selbst (Proleg. III. 185) die Eintheilung
der Sätze nicht unter der Benennung gemacht habe,
wie es von Kant geschehe, so war seine ,Einbildung', reine
Mathematik beruhe lediglich auf dem Satze des Widerspruches,