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Müller. Morphologie u. Entwicklungsgeschichte d. Sprachen.
eine ebenso gelinge, wenn nicht eine noch geringere Berechtigung.
Da das Chinesische zwar Stoff und Form scheidet, die
letztere aber nicht durch lautliche Mittel zum Ausdrucke bringt,
so müssten, wenn die indogermanische Ursprache einmal in
demselben Zustande, wie das Chinesiche sich befunden haben
soll, die Formen etjj.i, s'p.t nicht i-ma, as-ma, sondern i, as gelautet
haben. Wie aber dann eine Sprache, welche die Form
principiell lautlich nicht bezeichnet, nachträglich dazu kommt
dies zu thun, und woher sie vor allem andern die Mittel dazu
nimmt, dies bleibt ein vollkommen räthselhaftes und unerklärliches
Problem.
Man sieht daraus, dass der Vergleich des isolirenden Zustandes
der indogermanischen Ursprache mit jenem des Chinesischen
und vollends der hinterindischen Sprachen auffallend
hinkt, und dass überhaupt die ganze Dreitheilung der Sprachen
in isolirende, agglutinirende und flectirende eine rein
äusserliche und oberflächliche ist, indem sie nicht auf das der
Form der Sprache zu Grunde liegende Princip, sondern lediglich
auf die äusseren Mittel, mit welchen die Sprachen die
Form zu erreichen streben, Rücksicht nimmt.
Nachdem nun, wie wir erwiesen zu haben glauben, weder
die beliebte Dreitheilung der Sprachen noch die aus ihr hergeleitete
Stufenfolge der Entwicklung irgend welchen thatsächlichen
Grund hat, so wird wohl Niemand in der Einsilbigkeit
des Chinesischen einen Beweis seines Mangels an einer inneren
Entwicklung erblicken wollen. Wie die Entwicklung des Chinesischen
beschaffen war, wird freilich die Forschung nie mit Sicherheit
vollständig festzustellen vermögen, aber so viel ist gewiss,
dass die in ihrer Art vollendete Form des Chinesischen kein Product
primitiver Anlage sein kann, sondern einen Process voraussetzt,
der zwar nicht so complicirt war, wie der innerhalb der
flectirenden Sprachen geltende, aber an Energie ihm wenig
nachgestanden zu sein scheint.