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Müller.
am meisten depravirten Sprachen, die mau sich nur denken
kann; es hat die absteigende Entwicklung so frühzeitig und
vollständig wie keine andere Sprache durchgemacht.
Das verkehrte Urtheil über die chinesische Sprache, welches
bei den meisten Sprachforschern sich befestigt hat, rührt
zum grössten Theil daher, dass man bei der Bourthcilung derselben
ausschliesslich von dem sogenanten Mandarin-Dialecte
(kwan-hoa) ausgegangen ist und die Volksdialecte ganz bei
Seite gelassen hat. Ein solches Urtheil hätte vor hundert Jahren,
wo man die Volksdialecte als barbarisch und eines wissenschaftlichen
Studiums für unwürdig ansah, einige Berechtigung
gehabt, es ist aber heut zu Tage, wo man über dergleichen
Dinge ganz anders zu urthcilen pflegt, ein purer Anachronismus.
Um den Charakter der chinesischen Sprache genau zu
erfassen, ist es vor allem anderen nothwemlig die Sprache von
der Darstellung derselben, der Schrift, genau zu scheiden.
Wenn auch der innige Zusammenhang zwischen Sprache und
Schrift nirgends so deutlich hervortritt wie im Chinesischen, so
sind beide doch nicht etwa identisch, dass von dem einen ein
Schluss auf das andere unmittelbar gemacht worden könnte.
Im Ganzen scheint die chinesische Schrift die vollständige
Entwicklung der Sprache bereits vorauszusetzen;
ihr ganzer Charakter ist nur insoferne begreiflich, als man die
zahlreichen Homonymien, an denen das Chinesische so reich
ist, wie keine andere Sprache der Erde, als bereits vorhanden
voraussetzt. Nun sind aber diese Homonymien wenigstens in
diesem Umfange nicht etwas Ursprüngliches, sondern sind zum
grössten Tlieile, wie eine Vergleichung der Schriftsprache mit
den Volksdialecten darthut, nach und nach entstanden.
Es liegt daher der Schluss nahe, dass die Schrift erst
dann erfunden werden konnte, als die Sprache bereits den gegenwärtig
darbietenden Charakter an sich trug. Die Periode
den geschriebenen Sprache, d. h. die Zeit, welche von der Erfindung
der Schrift bis auf den heutigen Tag reicht, ist innerhalb
des Chinesischen eine ungemein lange; es ist aber eine
noch längere Periode hinter ihr gelegen.
Gegenwärtig, wo der Auslaut der Satzglieder (welche
unseren Worten entsprechen) auf die Vocalc und flüssigen