Morphologie und Entwicklungsgeschichte der Sprachen.
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wir vor allem andern dadurch bestimmt, dass diese Sprachen
gegenseitig eine Verwandtschaft zeigen, die nur auf die Wurzeln
(Pronominal- und Verbal-) und einige Stamm - Ausdrücke sich
erstreckt, während die Bildung der Formen in den einzelnen
Sprachen durch verschiedene Mittel vor sich geht. Und zwar
zeigen die polynesischcn Sprachen die Ansätze zu den innerhalb
der malayischen Idiome zu Formen gelangten Bildungen.
Mit der Besonderung der beiden Sprachzweige, nämlich
dos polynesischcn und des malayischen und der dadurch
bedingten eigenthümlichen Ausbildung beider, tritt aber auch
sofort die der orsteren aufsteigenden entgegengesetzte, nämlich
die zweite, absteigende Sprachentwicklung ein. In beideu
Sprachzweigen machte sich sofort eine Reihe von zersetzenden
Lautprocessen geltend, durchweiche die Formen verfielen;
in beiden tritt, nach dem Zerfallen derselben in mehrere Sprachen
und Dialecte eine Beschränkung der Formen, eine Folge
der lautlichen Zerstörung derselben, ein. Während einzelne
der Sprachen, welche von der Zersetzung weniger ergriffen
worden waren, den alten Formenreichthum festzuhalten suchen,
wie das Tagala, lassen wieder andere, wie das Malayische, die
Formen verfallen und schränken dadurch die Zahl derselben
wesentlich ein.
Eiii ähnliches Verhältniss wie zwischen den malayischen
und den polynesischcn Sprachen scheint auch zwischen den
semitischen und den sogenanton hamitischeu Sprachen obzuwalten.
Beide Sprachstämme gehen unzweifelhaft auf eine
ihnen zu Grunde liegende Ursprache zurück. 1 Dieselbe war
1 In dieser Annahme wird man vor Allem durch die Form bestimmt. Nicht
nur das Princip, sondern auch die formbildenden Elemente stimmen in
der Form beider Sprachstämme aufs genaueste zusammen. Abgesehen
von dem noch nicht genügend durchforschten Inventar der Verbal wurzeln,
wäre eine Entlehnung der Pronomina, nicht nur der absoluten, sondern
auch der am Verbum zur Bildung der einzelnen Personal-Ausdrücke verwandten,
aus den semitischen Sprachen ein Factum, durch welches die
hamitischen Sprachen ganz einzig unter allen bekannten Idiomen der Erde
dastehen würden. Eine' solche Entlehnung wäre gerade so widernatürlich
wie der famose Tausch zwischen Nala und Rtuparna, wie er in Mahäbhärata
erzählt wird. Vgl. übrigens in Betreff des Baues der hamitischen
Sprachen meine Darstellung in Reise der Fregatte Novara, Linguistischer
Tlieil, S. öl.