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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Morphologie  und  Entwicklungsgeschichte  der  Sprachen.

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wir  vor  allem  andern  dadurch  bestimmt,  dass  diese  Sprachen
gegenseitig  eine  Verwandtschaft  zeigen,  die  nur  auf  die  Wurzeln
(Pronominal-  und  Verbal-)  und  einige  Stamm  -  Ausdrücke  sich
erstreckt,  während  die  Bildung  der  Formen  in  den  einzelnen
Sprachen  durch  verschiedene  Mittel  vor  sich  geht.  Und  zwar
zeigen  die  polynesischcn  Sprachen  die  Ansätze  zu  den  innerhalb ­
  der  malayischen  Idiome  zu  Formen  gelangten  Bildungen.
Mit  der  Besonderung  der  beiden  Sprachzweige,  nämlich ­
  dos  polynesischcn  und  des  malayischen  und  der  dadurch
bedingten  eigenthümlichen  Ausbildung  beider,  tritt  aber  auch
sofort  die  der  orsteren  aufsteigenden  entgegengesetzte,  nämlich ­
  die  zweite,  absteigende  Sprachentwicklung  ein.  In  beideu
Sprachzweigen  machte  sich  sofort  eine  Reihe  von  zersetzenden ­
  Lautprocessen  geltend,  durchweiche  die  Formen  verfielen;
in  beiden  tritt,  nach  dem  Zerfallen  derselben  in  mehrere  Sprachen ­
  und  Dialecte  eine  Beschränkung  der  Formen,  eine  Folge
der  lautlichen  Zerstörung  derselben,  ein.  Während  einzelne
der  Sprachen,  welche  von  der  Zersetzung  weniger  ergriffen
worden  waren,  den  alten  Formenreichthum  festzuhalten  suchen,
wie  das  Tagala,  lassen  wieder  andere,  wie  das  Malayische,  die
Formen  verfallen  und  schränken  dadurch  die  Zahl  derselben
wesentlich  ein.
Eiii  ähnliches  Verhältniss  wie  zwischen  den  malayischen
und  den  polynesischcn  Sprachen  scheint  auch  zwischen  den
semitischen  und  den  sogenanton  hamitischeu  Sprachen  obzuwalten. ­
  Beide  Sprachstämme  gehen  unzweifelhaft  auf  eine
ihnen  zu  Grunde  liegende  Ursprache  zurück. 1  Dieselbe  war

1  In  dieser  Annahme  wird  man  vor  Allem  durch  die  Form  bestimmt.  Nicht
nur  das  Princip,  sondern  auch  die  formbildenden  Elemente  stimmen  in
der  Form  beider  Sprachstämme  aufs  genaueste  zusammen.  Abgesehen
von  dem  noch  nicht  genügend  durchforschten  Inventar  der  Verbal  wurzeln,
wäre  eine  Entlehnung  der  Pronomina,  nicht  nur  der  absoluten,  sondern
auch  der  am  Verbum  zur  Bildung  der  einzelnen  Personal-Ausdrücke  verwandten, ­
  aus  den  semitischen  Sprachen  ein  Factum,  durch  welches  die
hamitischen  Sprachen  ganz  einzig  unter  allen  bekannten  Idiomen  der  Erde
dastehen  würden.  Eine'  solche  Entlehnung  wäre  gerade  so  widernatürlich
wie  der  famose  Tausch  zwischen  Nala  und  Rtuparna,  wie  er  in  Mahäbhärata
  erzählt  wird.  Vgl.  übrigens  in  Betreff  des  Baues  der  hamitischen
Sprachen  meine  Darstellung  in  Reise  der  Fregatte  Novara,  Linguistischer
Tlieil,  S.  öl.
            
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