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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Morphologie  und  Entwicklungsgeschichte  der  Sprachen.

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Arabische,  sondern  das  Hebräische  den  relativ  ältesten  Zustand
der  semitischen  Sprachen  am  genauesten  repräsentire.  Nachdem ­
  die  semitischen  Sprachen  in  Betreff  ihrer  Formen  und
ihres  Wortvorrathes,  nicht,nur  innerhalb  der  Wurzeln,  sondern
auch  innerhalb  der  Stämme,  so  nahe  mit  einander  verwandt
sich  erweisen,  dass  man  sie  eher  für  Dialecte,  als  für  selbstständige ­
  Sprachen  halten  möchte,  ist  ihre  ganze  Entwicklungsgeschichte ­
  nur  insoferne  begreiflich,  als  man  die  Spaltung
einer  Ursprache  in  mehrere  Sprachen  oder  Dialecte  annimmt. ­
  Man  müsste  dann  annehmen,  der  Ausbau  der  semitischen ­
  Sprachen  sei  damals,  als  sie  sich  von  einander
trennten,  noch  nicht  abgeschlossen  gewesen.  Das  Hebräische
hätte  dann  den  ältesten  primitivsten  Zustand  der  semitischen
Sprachen  bewahrt,  während  das  Arabische  in  der  Entwicklungweiter
  fortgeschritten  wäre:  damit  wäre  aber  keine  absteigende, ­
  'sondern  eine  aufsteigende  Sprachentwicklung  angenommen. ­

Gegen  eine  solche  Annahme  sprechen  aber  alle  Gründe.
Vor  allem  spricht  dagegen  der  compacte,  nicht  flüssige  Bau
der  semitischen  Sprachen;  es  müssten  aber  auch  ferner  jene
Elemente,  aus  denen  die  mehr  entwickelten  Formen  des  Arabischen ­
  erwuchsen,  im  Hebräischen,  wenn  auch  sporadisch,
sich  nachweisen  lassen.  Denn  jene  Behauptung,  die  noch
allein  übrig  bliebe,  die  Sprache  habe  aus  sinnlosem  Vocalgeklingel
  nach  und  nach  bedeutungsvolle  Formen  gebildet,
wird  wohl  Niemand  aufstellen  wollen.
Und  wer  möchte  es  auf  sich  nehmen,  aus  den  Trümmern
der  hebräischen  Conjugation  das  reich  entwickelte  arabische
Verbum  zu  construiren?  Soll  das  Arabische  das  Passivem,
welches  im  Hebräischen  nur  in  zwei  Formen  vorliegt  (Pu-al
und  Iloph'al),  erst  später  vollständig  entwickelt  haben?  Ist
der  Saphfel,  den  das  Hebräische  nicht  kennt,  erst  auf  dem  Gebiete ­
  der  Aramäischen  Sprachen  und  des  Arabischen  (dessen
X.  Form  das  Reflexivum  des  Saphfel  darstellt)  entstanden?
Hat  das  Arabische  seine  VIII.  Form,  welcher  im  Hebräischen
nichts  entspricht,  erst  nach  Analogie  der  V.  Form,  die  im
hebräischen  Hithpafel  vorliegt,  später  gebildet?  Und  nachdem
der  hebräische  ITipli-il  in  der  arabischen  IV.  Form  sich
Sitzb.  d.  pliil.-bist.  CI.  LXVII.  Bd.  I.  Hi't.  10
            
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