Ueber Kant’s mathematisches Vorurtheil und dessen Folgen.
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bis auf den heutigen Tag üngeschlichteten Streit hervorgerufen
hat.
Dasselbe betrifft nämlich die Frage, auf welchem Wege,
die Existenz jenes apriorischen ,Zusatzes' zur Erfahrung in
unserem Erkenntnissvermögen vorausgesetzt, die Erkenntniss
dieses letzteren selbst durch das Erkenntnissvermögen möglich
sei? Wäre ein solcher nicht vorhanden, oder dessen Betreten
doch unsicher, so wäre jener ,apriorische Zusatz' selbst für
u n s gar nicht oder so gut wie nicht vorhanden, weil wir nie
wissen oder wenigstens nicht mit Sicherheit wissen könnten,
welcher Tlieil unserer vermeinten Erkenntniss ,Grundstoff',
welcher ,Zusatz' sei. Wir befänden uns damit ungefähr im
gleichen Fall mit einem Manne, dem wohl bekannt wäre, dass
eine gewisse Metalhuischung edle Bestandtheile in sich schliesse,
der aber kein Mittel besässe, dieselben im einzelnen Falle von
der unedlen Legierung abzuscheiden.
Kant selbst scheint dieses Problems, das von der Behauptung,
dass es apriorische Elemente im Erkenntnissvermögen
gebe, gänzlich verschieden ist, sich erst nachträglich völlig
bewusst geworden zu sein, nachdem er bereits versucht hatte,
mittels des apriorischen Zusatzes aus dem Erkenntnissvermögen
eine allgemeingiltige Erfahrung zu begründen, denn obige
Stelle ist erst in der zweiten Ausgabe der Vernunftkritik hinzugekommen.
Die erste Ausgabe, auf deren Abweichungen von
allen folgenden wie bekannt Schopenhauer zuerst grosses, nach
Ueberweg’s Nachweis vielfach übertriebenes Gewicht gelegt
hat, hat statt des ersten und zweiten Abschnittes der Einleitung
(S. W. her. v. Hartenstein II. S. 35—38) eine kürzere Darstellung
(S. 38 und 39 Anm.), in welcher blos von dem Vorhandensein
,gewisser ursprünglicher Begriffe und aus ihnen erzeugter
Urtheile, die gänzlich a priori sind', die Rede, die Erläuterung
aber, dass man dieselben erst nach ,langer Uebung und Aufmerksamkeit'
von dem ,Grundstoffe' zu ,unterscheiden und abzusondern'
im Stande sei, mit Stillschweigen übergangen ist.
Auch die sehr anschaulichen Bezeichnungen ,Grundstoff' und
,Zusatz', jene für den ,rohen Stoff sinnlicher Eindrücke', diese
für die ,Verstandesfähigkeit', denselben ,zu vergleichen, zu
verknüpfen oder zu trennen' und so ,zu einer Erkenntniss der
Gegenstände zu verarbeiten, die Erfahrung heisst', sind erst