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Müller.
einer Sprache mit dem Ausdrucke der aufsteigenden, den
Zustand der inneren Ausbildung- und des lautlichen Verfalles
mit dem Ausdrucke der absteigenden Entwicklung zu bezeichnen.
Beide Ausdrücke empfehlen sich schon deswegen
gegenüber den von einigen Sprachforschern angewendeten Ausdrücken
Entwicklung und Verfall (vgl. Schleicher Compendium
II. Aufl. §. 4.), weil einerseits auch innerhalb der
zweiten Periode von einer Entwicklung mit demselben Rechte
gesprochen werden kann, wie innerhalb der ersten, andererseits
der lautliche Verfall noch nicht den Verfall der Sprache
überhaupt bedeutet. Ueberdies sind diese beiden Ausdrücke,
von denen der erstere auf den vorhistorischen, der letztere auf
den historischen Zustand der Sprache bezogen wird, deswegen
nicht richtig, weil sie nur auf die sogenannten flectirenden
Sprachen, nicht aber auf alle angewendet werden können.
Die Repräsentanten der am höchsten entwickelten Sprachform,
der flectirenden, und speciell jene, welche die Flexion
in ihrer edelsten Gestalt darbieten, die sogenanten indogermanischen
Sprachen, zeigen von ihrer ältesten Form an, welche
wir überhaupt auf historischem Wege erreichen können, durchgehends
die absteigende Entwicklung. Alle indogermanischen
Sprachen nämlich lassen sich nur als Abkömmlinge einer in
ihnen aufgegangenen, in ihrer Ausbildung bereits abgeschlossenen
Ursprache begreifen, in welcher alle jene
Formen, die wir in den einzelnen indogermanischen Sprachen
finden, bereits vorhanden waren. Keine einzige der indogermanischen
Sprachen zeigt uns eine Form, welche sich nicht,
wenn auch vereinzelt, in einer anderen indogermanischen
Sprache wieder nachweisen lässt. Gemeiniglich beruht der
Unterschied zwischen den Formen der einzelnen indogermanischen
Sprachen nicht so sehr auf einer verschiedenen
Bildung derselben, als vielmehr auf der grösseren oder geringeren
lautlichen Ursprünglichkeit, dem grösseren oder
geringeren Grade der Treue, mit welcher sich die lautliche
Seite der sprachlichen Urform behauptet hat. Das Inventar
der sprachlichen Formen (abgesehen von den auf synthetischem
Wege entstandenen Neubildungen) ist in keiner der uns näher
bekannten indogermanischen Sprachen ein grösseres als jenes
es war, welches wir für die indogermanische Ursprache voraus-