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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.

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Das  alte  frevle  Spiel  byzantinischen  Uebermuthes  begann  sehr
bald  auf’s  Neue.
Es  war  ein  schwerwiegendes  Ereigniss,  dieser  Umsturz
des  lateinischen  Reiches,  welcher  zwar  die  lateinische  Welt
von  einer  grossen  Sorge  und  nicht  zu  erfüllenden  Aufgabe  befreite, ­
  aber  auch  statt  einer  Stärkung  des  christlichen  Orientes
dessen  Schwächung  hervorrief.  Das  lateinische  Kaiserthum  der
flandrischen  Grafen  hatte  das  der  schwäbischen  Herzoge  auf
dem  deutschen  Kaiserthrone  überlebt  und  die  Paläologen  Michael
(f  1282)  und  sein  Sohn  Andronikos  II.  (f  1328)  waren  selbst
bis  1312,  der  Krönung  Heinrich’s  VII.,  die  einzigen  christlichen
Kaiser  Europa’s.  Während  es  aber  diesen  nicht  gelang,  auch
nur  die  eigentlich  griechischen  Herrschaften  —  Arta  und  Trapezunt
  —  zu  vereinigen,  Morea  und  die  venetianischen  Inseln
wieder  zu  gewinnen,  erhielt  sich,  wenn  auch  in  fortwährendem
Sinken  begriffen,  das  Bulgarenreich  und  erhob  sich  erst  noch
im  Rücken  desselben  das  serbische,  das  auch  nach  einer
Königs-  und  Kaiserkrone  trachtete.  Bereits  gab  es  eine  moslemische ­
  Herrschaft  in  Ost-Europa,  die  tartarische  ;  die  Wiedereroberung ­
  von  Constantinopel  durch  die  Griechen  führte  trotz
der  Aussöhnung  Michaels  zu  Lyon  1274  mit  Papst  Gregor  X.
zu  den  Rüstungen  Karls  von  Anjou,  Königs  von  Sicilien,  um
die  Paläologenherrschaft  umzustürzen.  Der  Zug  fand  nicht
statt,  wohl  aber  die  Erhebung  Siciliens,  welche  den  Westen
Europa’s  in  langjährige  Kämpfe  stürzte  und  nicht  wenig  beitrug, ­
  den  Untergang  der  christlichen  Besitzungen  im  heiligen
Lande  zu  beschleunigen,  1291.  Seitdem  beginnen  die  umgekehrten ­
  Kreuzzüge.  Gerade  drei  Jahre  vor  der  Katastrophe
von  1261  war  Osman  Ertogrul’s  Sohn  geboren  worden",  welcher
der  türkischen  Horde  den  Namen  gab,  die  bei  der  Auflösung
der  Seldschukenmacht  sich  in  Kleinasien  auszubreiten  begann.
Die  Verlegung  des  Kaiserthums  von  Nicäa  nach  Constantinopel
verlegte  auch  den  politischen  Schwerpunkt  von  Kleinasien.
Die  Osmanen  dringen  seitdem  in  den  Flussthälern  und  gegen
die  Küsten  vor.  Schon  1326  fiel  Brusa  in  ihre  Gewalt,  1330
Nilcomedien,  1339  Nicäa,  1350  Sestos  und  Gallipoli;  101  Jahre
nach  der  Wiedereroberung  von  Constantinopel  setzen  sie  sich
im  Rücken  der  Hauptstadt  in  Adrianopel  fest  1262,  und  suchen
Sitzt,  d.  phil.-hist.  CI.  LXVII.  Bd.  I.  Hft.  9
            
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