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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.

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vor,  durch  eine  Vermählung  des  jungen  Bela,  Stefans  IV.  Sohnes,
mit  einer  Kaisertochter  beide  Reiche  mit  einander  zu  vereinigen
und  das  romai'sche  bis  an  die  Leitha  und  über  Dalmatien  an
das  adriatische  Meer  auszubreiten.  Die  Verhandlungen  Manuels
mit  P.  Alexander  111.  erhalten  damit  erst  die  wahre  Hinterlage. ­
  Bela  wurde  in  Constantinopel  erzogen  und  als  die  Ungarn
die  verlangte  Auslieferung  von  Dalmatien  verweigerten,  kam
es  aufs  Neue  mit  ihnen  zum  Kampfe.  Die  Vermählung  Bela’s
mit  der  Kaisertochter  wurde  nicht  vollzogen,  wohl  aber  im
harten  Kampf  mit  den  Ungarn  1168  von  den  Romäern  Dalmatien ­
  behauptet.  In  der  That  schien  es  nur  von  K.  Manuel
abzuhängen  und  das  XII.  Jahrhundert  sah  die  Begründung
Eines  grossen  Reiches  von  der  Leitha  bis  zu  den  Gränzen
des  Sultanats  von  Ikonium,  ja  bis  zu  denen  des  Königsreichs
Jerusalem,  von  Haliz  bis  Creta  und  Cypern.  Der  Friede
d.  J.  1168  nach  dem  grossen  Siege  der  Byzantiner  über  die
Ungarn  bei  Zeugmin  1168  schien  die  neue  Ordnung
der  Dinge  für  alle  Zeiten  zu  bekräftigen.  Bereits  stand
Manuel  in  Unterhandlungen  mit  P.  Alexander  III.,  welchen
K.  Friedrich  Barbarossa  von  Land  zu  Land  trieb.  Es  lag  nur
an  dem  Papste  dem  deutschen  Kaiserthum  ein  Ende  zu  machen,
das  byzantinische  als  das  ächtrömische  anzuerkennen,  wollte  er
die  uni  versalmonarchischen  Ideen  des  zweiten  Staufers,  des
ersten  Kaisers  dieses  Hauses,  mit  einem  kräftigen  Schlage
stürzen,  zugleich  aber  auch  die  gauze  seit  400  Jahren  begründete ­
  Ordnung  der  Dinge  in  Mitteleuropa  in  Frage  stellen.  Im
Besitze  Dalmatiens  bemächtigte  sich  der  Kaiser  auch  Ancona’s,
als  Venetianor  und  Deutsche  die  Freiheit  Italiens  vor  byzantinischer ­
  Herrschaft  vertheidigten.  Dadurch  scheiterte  der  grossartige ­
  Plan  Manuels.  Der  Papst  weigerte  sich  das  deutschrömische ­
  Kaiserreich  wieder  aufzulösen  und  bald  sah  sich
Manuel  veranlasst,  nicht  blos  den  Venetianern  im  Frieden  von
1174  die  alten  Privilegien  zu  erneuern,  sondern  auch  seine
Aufmerksamkeit  vom  Abendlande  dem  Oriente  zuzuwenden.
Nicht  blos  dass  er  bereits  sich  Klein-Armenien  und  Antiochia
unterworfen  hatte,  er  gedachte  mit  K.  Amaury  von  Jerusalem
die  Eroberung  von  Aegypten  zu  unternehmen,  die  jedoch  an
den  schlechten  Massregeln  Amaury’s  vor  Damiette  scheiterte
1171  und  nur  der  politischen  Grösse  Saladins  Vorschub  leistete.
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