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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

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Hofier.

der  Angelos  hinein  und  führte  nicht  blos  zu  der  Eroberung
und  Plünderung  von  Thessalonika  durch  die  Normannen  1185,
sondern  geradezu  zum  Umstürze  des  griechischen  Reiches  und
zur  Aufrichtung  eines  lateinischen  Kaiserthums  und  lateinischen
Patriarchates,  1204.
Das  Streben,  sich  auf  eigene  Fiisse  zu  stellen,  sich  vom
Auslande  möglichst  unabhängig  zu  machen,  ein  Heer  von  Eingeborenen ­
  zu  schaffen,  das  verlorene  Asien  wieder  zu  gewinnen
oder  doch  den  Fortschritten  der  Türken  ebenso  Grenzen  zu
ziehen,  als  den  europäischen  Theil  zwischen  der  Donau  und
drei  Meeren  einzuschliessen,  geht  als  leitender  Faden  durch  die
Komnenenzeit  hindurch.  Allein  die  Aufgabe  war  und  blieb  zu
gross,  da  es  sich  darum  handelte,  eine  dominirende  Stellung
gegen  Ungarn  zu  gewinnen,  Bulgarien,  Serbien,  Bosnien,  Dalmatien ­
  in  Abhängigkeit  zu  erhalten,  der  Sumpfschlange,  wie
der  Erzbischof  Eustathios  in  seiner  Rede  an  Kaiser  Manuel
Venedig  nannte,  den  Stachel  zu  entziehen,  die  Normannenherrschaft ­
  in  beiden  Sicilien  vom  Reiche  Romania  abzuhalten
und  auf  sich  selbst  zu  beschränken,  so  dass  selbst,  wenn  Asien
einen  ganz  gesicherten  Zustand  geboten  hätte,  schon  die  Auseinandersetzung ­
  der  abendländischen  Verhältnisse  einen  tüchtigen
Kaiser  ganz  und  gar  in  Anspruch  genommen  haben  würde.
Was  aber  Asien  betraf,  so  musste  man  sicli  schon  damals
überzeugen,  dass  nur  ein  fester  Anschluss  der  Kreuzfahrerstaaten ­
  an  das  romäische  Reich  beide  Tlieile  vor  gemeinsamen,
den  einen  früher,  den  andern  später  treffenden,  aber  sicherem
Verderben  retten  könne.  Das  Königreich  Jerusalem  war  aber
ohne  die  Eroberung  Aegyptens  unhaltbar,  wie  Antiochia  ohne
Edessa  und  Damascus,  wie  Kleinasien  ohne  Syrien.  Abgesehen
von  allen  Hindernissen,  wie  der  Talentlosigkeit  der  abendländischen ­
  und  morgenländischen  Fürsten  des  lateinischen
Theiles  des  Orientes,  von  ihren  steten  Streitigkeiten  unter  einander, ­
  von  der  Feindschaft  der  Kreuzfahrer  mit  den  Byzantinern ­
  und  den  Pulanen  und  so  vielen  Hunderten  von  äusserlichen
  Gründen,  welche  kein  Verständniss  des  gemeinsamen
Interesses  und  kein  Zusammenwirken  auf  kommen  Hessen,  war
aber  schon  das  kirchliche  Schisma  und  der  nationale  Widerwille ­
  der  Griechen  und  Lateiner  hinreichend,.  eher  Alles  in
Schwebe  zu  versetzen,  als  ein  Zusammengehen  zu  veranlassen.
            
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