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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Abhandlungen  ans  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.

in

liehen  Gewalt  fest;  sie  mussten  es  jetzt  um  so  mehr  thun,  als
die  Ereignisse  im  Oriente  die  Theorie  von  den  fünf  Patriarchaten
vernichtet  hatten.  Antiochia  und  Jerusalem  erkannten  das
päpstliche  Primat  an.  Andererseits  trat  aber  auch  in  Rom  das
Bedürfniss  einer  Aussöhnung  mit  dem  griechischen  Osten  ebenso
entschieden  hervor  als  Manuel  sich  gleichfalls  zu  einer  Annäherung ­
  an  den  Occident  gedrungen  fühlte.  Man  hatte  ipi
X.  und  XI.  Jahrhunderte  in  Constantinopel  die  Alemannen  mit
Hoehmuth  behandelt,  als  gefirnisste  Barbaren  betrachtet.  Im
XII.  musste  man  fühlen,  dass  aus  dem  Nationalitätenstreit,
welcher  sprachlich  wie  kirchlich  geführt  wurde,  eine  Machtfrage
geworden  war,  man  das  Abendland  nicht  nur  nicht  entbehren
konnte,  sondern  auch  auf  dasselbe  einen  Einfluss  zu  gewinnen
suchen  müsse.  Als  aber  nun  Manuel  alle  Segel  aufspannte,
um  die  politische  Aussöhnung  mit  dem  Papste  zu  gewinnen,
die  er  selbst  als  eine  Restitution  der  alten  römischen  Kaiserrechte ­
  ansah,  musste  er  sich  überzeugen,  dass  hiervon  so  lange
keine  Rede  war,  als  nicht  die  kirchliche  Aussöhnung  vorangegangen ­
  war.  Die  Byzantiner  (Kynamos)  sagten  zwar,  die
Unterhandlungen  zwischen  Papst  Alexander  III.  und  Kaiser
Manuel  wären  daran  gescheitert,  dass  ersterer  von  diesem  verlangt ­
  hätte,  seine  Residenz  nach  Rom  zu  verlegen;  allein  die
Wahrheit  dieser  Behauptung  ist  im  höchsten  Grade  verdächtig.
Papst  und  Kaiser  hatten  in  Rom  nicht  mehr  Platz;  das  war
kaum  unter  Otto  III.  und  Gregor  V.  oder  Sylvester  II.  möglich
gewesen.  Seitdem  aber  hatten  sich  die  Dinge  wesentlich  verändert. ­
  Allein  wenn  auch  die  ersten  Komnenenkaiser  von  der
Nothwendigkeit  eines  Anschlusses  an  das  Abendland  überzeugt
waren,  Clerus  und  Volk  wollten  nichts  davon  wissen;  der
Racenstreit  durchkreuzte  alle  gesunde  Politik.  Es  war  dem
letzten  Komnenen  Andronikos  1182  nicht  zu  schwer,  den
Pöbel  von  Constantinopel  gegen  die  Lateiner  aufzulietzeu,  so
dass  diese  überfallen  und  ermordet  wurden,  der  Cardinallegat
Johannes  getödtet,  sein  Kopf  an  den  Schweif  eines  Hundes
befestigt  durch  die  Strassen  der  Stadt  geschleift,  mehr  als
4(J00  Lateiner  an  die  Türken  als  Sclaven  verkauft  wurden.
Die  blutige  That  war  der  Beweis,  dass  der  Racenkampf
zwischen  Lateinern  und  Griechen  stärker  als  alle  Politik  der
Pürsten  war.  Er  zog  sich  von  den  Komnenen  in  die  Zeit
            
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