Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.

109

zung  von  Statuen  seine  Zuflucht  nahm.  Die  Venetianer  erhielten ­
  die  ausgedehntesten  Handelsprivilegien,  so  dass  auch
der  Handel  mehr  und  mehr  in  die  Hände  von  Ausländern  fiel.
Man  musste  sich  gestehen,  dass  nur  mit  grosser  Mühe  der
Sturz  des  Reiches  aufgehalten,  künstlich  verdeckt  werde,  nur
mit  äusserster  Anstrengung  die  Kosten  seiner  Unterhaltung  aufgebracht ­
  werden  konnten.
Glücklicher  AVeise  folgte  dem  Alexios  ein  Kaiser  nach,
dessen  Tugenden  den  Vater  leicht  verschmerzen  machten  und  kam
noch  auf  die  Regierung  des  Kalojohannes  die  kraftvolle  Manuel’s,
so  dass  100  Jahre,  mit  nur  drei  Kaisern  ausgefüllt,  den  Bestand
des  Reiches  sichern  konnten.  Aber  fortwährend  verlor  dieses
mehr  und  mehr  seinen  griechischen  Charakter.  Das  Heer,  das
Kalojohannes  zu  Siegen  geführt,  bestand  aus  Makedoniern
(Släven  und  Bulgaren),  Scythen  (Patzinaken  und  Kumanen),
Türken  und  anderen  Volksstämmen.  Der  erste  Minister  des
Kaisers  Kalojohannes  war  ein  getaufter  Türke,  der  Gemahl  der
Prinzessin  Anna,  Nikephoros  Bryennos,  ein  Makedonier,  dessen
Erhebung  zum  Kaiser  Alexios  zurückgewiesen  hatte,  weil  Jedermann ­
  ihn  auslachen  würde,  wenn  er  einen  Makedonier  (Slaven?)
zum  Kaiser  erhöbe.  Alexios  hatte  wieder  zum  Systeme  der  Colonisation
  seine  Zuflucht  genommen  und  die  Patzinaken  und
Kumanen  in  Moglena  und  Alexiopolis  (um  Thessalonika  und
Philippopolis)  angesiedelt.  Die  griechische  Bevölkerung  lichtete
sich  auch  in  Europa  und  die  fremde  nahm  zu.  Kalojohannes
nahm  das  System  seines  Vaters  auf  und  verpflanzte  Scythen
nach  Nicomedien,  Patzinaken  nach  Europa.  Bereits  war  eine
Auseinandersetzung  nach  der  slavisch-ungarischen  Seite  ebenso
nothwendig  wie  nach  der  türkischen.  Zu  den  auswärtigen
Feinden  kamen  jetzt  auch  die  Venetianer.  Jedoch  ward  Kleinarmenien ­
  von  Kalojohannes  erobert,  Raymund  von  Poitiers,
Fürst  von  Antiochia,  zum  Vasalleneide  genöthigt;  der  Kaiser
traf  bereits  kräftige  Anstalten,  sich  in  den  Besitz  des  Königreichs ­
  Jerusalem  zu  setzen  und  so  die  byzantinische  Herrschaft
bis  an  die  ägyptische  Küste  auszudehnen,  als  er  an  den  Folgen
einer  auf  der  Jagd  erhaltenen  AVunde,  55  Jahre  alt,  am  8.  April
1143  starb,  zum  unersetzlichen  Schaden  des  Reiches  und  seines
Hauses.  AVar  unter  ihm  die  byzantinische  Politik  dem  Oriente
zugeweudet,  so  wandte  sie  sich  unter  Manuel  vorzugsweise  dem
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.