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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.  103
Es  gehört  nun  zu  den  Eigentümlichkeiten  dieses  Reiches,
dass  es  fast  alle  150  .Jahre  von  Neuem  anfangen,  in  regelmässig
wiederkehrenden  Perioden  um  seine  Existenz  kämpfen  musste,
bis  diese  Perioden  immer  kürzer  und  kürzer  wurden  und  die
ganze  Geschichte  sich  in  ein  klägliches  Ringen  um  den  Bestand
auflöst.  Bereits  um  die  Mitte  des  XI.  Jahrhundertes  beginnt
diese  Wendung,  und  das  Schwert,  welches  Isaak  Komnenos  in
seine  Münzen  aufnahm,  wird  ein  Symbol  nicht  blos  der  weltlichen ­
  Herrschaft  gegen  die  Patriarchenmacht,  sondern  auch
des  Reiches  selbst.  Als  nun  auch  durch  die  Fortschritte  der
Normannen  in  Unteritalien,  die  Begründung  eines  Herzogthums
Apulien  und  die  noch  im  XI.  Jahrhundert  erfolgte  Eroberung
Siciliens  durch  die  Normannen,  das  letzte,  was  die  Byzantiner
in  Italien  besassen,  an  diese  hartnäckigen  Gegner  der  Griechen
fiel,  so  beruhte  das  byzantinische  Reich  wesentlich  auf  dem
thracisch-illyrischen  Dreiecke,  welches  Nikephoros  Phokas  und
Johann  Tzimisches  von  den  Saracenen  befreit,  Basilios  II.  durch
Umsturz  der  Bulgarenherrschaft  erst  eigentlich  griechisch  gemacht ­
  hatten.  Da  war  es  aber  ein  entschiedenes  Unglück,  dass
Isaak  Komnenos  nach  einer  kurzen  Regierung  von  zwei  Jahren
und  drei  Monaten  den  Purpur  niederlegte  und  die  Herrschaft
dem  Constantinus  Dukas  übergab,  statt  seinem  Bruder  Johann
Komnenos,  welcher  wie  er  selbst  ein  Zögling  des  Basilios  II.
war.  Dadurch  kam  es,  dass  32  Jahre  einer  Misswirtschaft
unter  dem  Hause  Dukas  1059—1081  verstrichen,  die  unter
Constantia  X.  (1059—1067),  dessen  Wittwe  Eudocia  und  ihrem
Gemahl  Romanus  IV.  Diogenes  1068  —1071,  endlich  unter
dem  Sohne  Constantins  IX.  Michael  VII.  Dukas  1071—1078,
zuletzt  unter  Nikephoros  Botaniates  1078—1087  das  Reich  der
Auflösung  nahe  brachten.  Dann  erst  gewann  die  komnenische
Dynastie  Platz,  aber  nur  für  104  Jahre  (1081—1185)  unter
fünf  Kaisern.  Die  darauf  folgende  Dynastie  der  Augelos  bereitete ­
  die  Fremdherrschaft  1185—1204  auch  im  europäischen
Theile  des  Reiches  vor.  Damit,  zwischen  der  kurz  lebenden
Dynastie  Dukas,  welche  fast  ganz  Asien  verlor,  und  der  Dynastie
Angelos,  welche  das  lateinische  Kaiserthum  und  die  Zerstücklung ­
  des  asiatischen  wie  des  europäischen  Theiles  des  Reiches
veranlasste,  ist  die  historische  Stellung  der  Komnenen  (unter
Aloxios  I.  1081  —1118,  Johann  II.  1118—1143,  Manuel
            
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