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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

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II  ö  fl  er.

erhob.  Nun  aber  trug  er  nicht  nur  purpurne  Sandalen,  wie
der  Kaiser,  sondern  machte  ihm  auch  bemerklieh,  er  habe
ihn  erhoben,  er  könne  ihn  auch  stürzen. 1  Zwei  Sonnen  vertragen ­
  sich  nicht  in  so  unmittelbarer  Nähe.  Der  erste  Komnene
  zog  vor,  den  Patriarchen  zu  stürzen,  als  von  ihm  gestürzt
zu  werden,  und  das  weltliche  Element  blieb  in  Constantinopel
  siegreich,  wie  in  Rom,  aber  erst  nach  den  furchtbarsten
Kämpfen  und  Drangsalen  seit  Leo  IX.,  f  1054,  das  geistliche.
Nun  aber  ward  durch  die  Ereignisse  im  Oriente  selbst
das  byzantinische  Reich  in  der  zweiten  Hälfte  des  XI.  Jahrhunderts ­
  gewaltsam  nach  dem  Westen  gedrängt.  Die  Krise
des  arabischen  Weltreiches  war  erfolgt.  Nicht  blos  dass  die
Scheidung  zwischen  dem  Abassidencalifate  in  Bagdad  und  dem
der  Ommejaden  in  Cordova  anhielt,  dass  sich  das  Reich  der
Fatimiden  in  Aegypten  gebildet  hatte,  die  Zerbröckelung  der
Herrschaft  immer  grössere  Fortschritte  machte:  es  war  auch
ein  neues  Völkerelement  zum  arabischen  hinzugetreten  und  behauptete ­
  nun  seine  Rechte.  Da  begann  unter  den  Berbern  in
Westafrika  jener  Sturm,  welcher  noch  vor  Ende  des  XI.  Jahrhunderts ­
  die  Morabithen  nach  Spanien  führte.  Auf  die  arabische ­
  Eroberung  von  Spanien  folgte  1086  die  zweite,  eine
berberische  und  seitdem  bis  1840  jedes  Jahrhundert  eine  neue
Invasion.  Was  aber  im  Westen  die  Berbern,  waren  im  Osten
die  Türken,  namentlich  die  Seldschuken.  Ihnen  gelang  es,  was
die  Araber  nicht  vermocht,  eine  Herrschaft  in  Kleinasien
dauernd  zu  begründen,  1074,  welche,  von  Rum  (Ikonicum)  aus
sich  über  Nicäa  ausbreitete  und  Ende  des  XI.  Jahrhundertes
den  Byzantinern  von  ihrem  bisherigen  Hauptlande  nur  mehr
einen  schmalen  Streif  Landes  übrig  liess.  Die  seidschukisehen
Türken  konnten  nicht  wie  die  Araber  Flotten  aussenden,  welche
ihre  Heere  vor  Constantinopel  brachten,  allein  als  kühnes  Reitervolle,
  das  vor  keiner  verwegenen  Unternehmung  zurückbebte,
wie  als  vortreffliche  Bogenschützen,  behaupteten  sie  sich  als
Landmacht,  der  die  Byzantiner  nur  ein  aus  Bulgaren,  Slaven
Italienern,  Normannen,  Franken  zusammengewürfeltes  Heer
gegenüber  zu  stellen  vermochten.

1  Zonaras.  Das  aber  war  vor  Gregor  VII.,  vor  den  Innocenzen  und  ßonifaeius
  VIII.
            
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