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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

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Hofier.

Mau  sah  von  den  Thürmen  der  siebenhundertjährigen  Kaiserstadt ­
  auf  ein  weites  Blachfeld  untergegangener  Reiche,  zerschellter ­
  Staaten,  vernichteter  Völker  herab,  die  alle  wie  Riesenfluthen
  herangestürmt  waren,  alle  an  Constantinopel  ihren  Halt
gefunden  hatten  und  hingegangen  waren  wie  sie  gekommen
sind.  Aber  als  ein  grosses,  ja  als  ein  grenzenloses  Unglück
muss  es  bezeichnet  werden,  dass  zwischen  dem  Aussterben  des
Mannesstammes  der  Makedonier  und  dem  Emporkommen  des
ersten  Komnenen  29  zur  Konsolidiruug  des  Reiches  höchst
wichtige  Jahr  unbenützt  verstrichen,  während  im  Oriente  wie
im  Occidente  die  Aussaat  jener  grossen  Ereignisse  stattfand,
die  die  zweite  Hälfte  des  XI.  Jahrhunderts  erschütterten  und
wahrhaft  welthistorisch  machten.
Mochten  die  Byzantiner  früher  von  der  Ansicht  erfüllt
gewesen  sein,  die  Kaiserherrschaft  der  Deutschen  Werde  ein
so  rasches  Ende  nehmen,  als  die  Königsherrschaft  der  Ostgothen,
Vandalen  und  ähnlicher  Vorkämpfer  der  Völkerwanderung,  so
hatten  sie  sich  darin  gründlich  getäuscht.  Die  Dinge  nahmen
einen  ganz  andern  Gang,  als  man  sich  in  Constantinopel  vorgestellt, ­
  wie  denn  überhaupt  die  Entwickelung  der  politischen
Verhältnisse  im  Abendlande  einen  viel  stätigeren  Verlauf
nahm  als  im  christlichen  Morgenlande.  Zwar  hatte  das
Schicksal  der  unächten  Karolinger,  von  welchen  nach  Karl
des  Dicken  Enthronung  Einer  don  Andern  stürzte,  einige  Zeit
Anlass  gegeben  zu  glauben,  es  würden  sich  die  Geschicke  des
neuen  Kaiserthums  analog  denen  des  alten  gestalten.  Allein
seit  das  sächsische  König-  und  Kaiserthum  aufkam,  musste  man
auch  in  Constantinopel  erkennen,  dass  die  Welt  eine  andere
geworden  sei.  Der  grosse  Sieg  über  die  Ungarn  auf  dem
Lechfelde  955  zwang  diese  Unholde  nicht  blos  auf  ihre  Einfälle ­
  nach  dem  Westen  Verzicht  zu  leisten,  sondern  auch
sich  als  ein  Reich  zu  constituiren,  welches  die  Entwickelung
des  Ostens  gleichfalls  nicht  ferner  störte,  im  Gegentheile  selbst
Impulse  von  dieser  Seite  aufnahm.  Gelang  es  aber  den
Byzantinern  das  Bulgarenreich  in  ihr  System  hineinzuziehen
und  ebenso  auch  die  Russen,  wenigstens  was  den  kirchlichen
Verband  mit  Constantinopel  betraf,  so  war  es  eine  auch  sie
schwei'  berührende  Thatsache,  als  Ungarn  von  P.  Sylvester  I.
eine  Königskrone  erlangte,  an  das  lateinische  Kirchensystem
            
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