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Hofier.
Mau sah von den Thürmen der siebenhundertjährigen Kaiserstadt
auf ein weites Blachfeld untergegangener Reiche, zerschellter
Staaten, vernichteter Völker herab, die alle wie Riesenfluthen
herangestürmt waren, alle an Constantinopel ihren Halt
gefunden hatten und hingegangen waren wie sie gekommen
sind. Aber als ein grosses, ja als ein grenzenloses Unglück
muss es bezeichnet werden, dass zwischen dem Aussterben des
Mannesstammes der Makedonier und dem Emporkommen des
ersten Komnenen 29 zur Konsolidiruug des Reiches höchst
wichtige Jahr unbenützt verstrichen, während im Oriente wie
im Occidente die Aussaat jener grossen Ereignisse stattfand,
die die zweite Hälfte des XI. Jahrhunderts erschütterten und
wahrhaft welthistorisch machten.
Mochten die Byzantiner früher von der Ansicht erfüllt
gewesen sein, die Kaiserherrschaft der Deutschen Werde ein
so rasches Ende nehmen, als die Königsherrschaft der Ostgothen,
Vandalen und ähnlicher Vorkämpfer der Völkerwanderung, so
hatten sie sich darin gründlich getäuscht. Die Dinge nahmen
einen ganz andern Gang, als man sich in Constantinopel vorgestellt,
wie denn überhaupt die Entwickelung der politischen
Verhältnisse im Abendlande einen viel stätigeren Verlauf
nahm als im christlichen Morgenlande. Zwar hatte das
Schicksal der unächten Karolinger, von welchen nach Karl
des Dicken Enthronung Einer don Andern stürzte, einige Zeit
Anlass gegeben zu glauben, es würden sich die Geschicke des
neuen Kaiserthums analog denen des alten gestalten. Allein
seit das sächsische König- und Kaiserthum aufkam, musste man
auch in Constantinopel erkennen, dass die Welt eine andere
geworden sei. Der grosse Sieg über die Ungarn auf dem
Lechfelde 955 zwang diese Unholde nicht blos auf ihre Einfälle
nach dem Westen Verzicht zu leisten, sondern auch
sich als ein Reich zu constituiren, welches die Entwickelung
des Ostens gleichfalls nicht ferner störte, im Gegentheile selbst
Impulse von dieser Seite aufnahm. Gelang es aber den
Byzantinern das Bulgarenreich in ihr System hineinzuziehen
und ebenso auch die Russen, wenigstens was den kirchlichen
Verband mit Constantinopel betraf, so war es eine auch sie
schwei' berührende Thatsache, als Ungarn von P. Sylvester I.
eine Königskrone erlangte, an das lateinische Kirchensystem