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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.

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Anhanges.  Die  gewaltsame  Absetzung  der  Kaiser,  ihre  Unschädlichmachung ­
  durch  Verstümmlung  ersetzte  den  Mangel  an
Verfassung,  an  gesetzlicher  Beschränkung  kaiserlicher  Gerechtsame. ­
  Die  Wildheit  der  niederen  Schichten  verpflanzte  die
dort  herrschenden  Gewohnheiten  auf  den  Thron  und  der  Thron
litt  dann  selbst  am  empfindlichsten  durch  die  an  den  höheren
Schichten  ausgelassenen  W  ildheit  der  niederen. 1  Nirgends  war
ferner  ein  gleich  offener  Zugang  der  verschiedensten  Nationalitäten ­
  zum  Throne  und  wechselte  das  deutsche  Kaiserthum
dynastienweise  bei  Sachsen,  Franken,  Schwaben,  so  bietet  das
byzantinische  Kaiserthum  das  bunteste  Gemisch  orientalischer
und  occidentaler  Nationalitäten,  die  ihre  Sprösslinge  auf  den
Thron  sandten,  [saurer  wie  Armenier  und  Makedonier  dienten
von  der  Pike  auf,  um  als  Kaiser,  wo  nicht  verstümmelt,  und
als  Mönche  zu  enden.  So  sehr  aber  diese  Kaiser  sich  sträubten
als  griechische  Kaiser  angesehen  und  so  benannt  zu  werden,
so  war  die  Sache  doch  nicht  anders.  Griechische  Sprache  hielt
das  Gemenge  verschiedener  Völker  im  römischen  (byzantinischen)
Reiche  zusammen.  Es  war  den  Makedoniern  eigen,  auch  noch
griechische  Gesetze  hinzuzufügen.  Die  Sprache  des  Cultus,
der  Religion  wie  der  Wissenschaft  war  griechisch,  das  Verständnis ­
  des  Lateinischen  hörte  hier,  das  des  Griechischen  seit
der  Ikonoklastenperiode  in  den  westlichen  Ländern  auf  und  die
sprachliche  Scheidung  brachte.nun  vollends  jene  Missverständnisse
hervor,  über  welche  auf  der  einen  wie  auf  der  andern  Seite  geklagt
wurde  und  die  mit  den  Jahrhunderten  eine  immer  grössere
Entfremdung  herbeiführten.  Bei  allen  dem  verstanden  die  Byzantier
  die  grosse  Tugend,  sich  zu  erhalten,  während  andere
untergingen.  Sie  erlebten  regelmässig  das  Ende  ihrer  Dränger.
Die  Ostgothen,  die  Vandalen  waren  vernichtet,  die  Sassanidenherrscliaft
  hatte  aufgehört,  Hunnen  und  Avaren  existirten  nicht
mehr.  Die  Slaven  gräcisirten  sich  immer  mehr.  Die  Russen
wurden  zu  Freunden  und  nahmen  das  Christenthum  an.  Die
Bulgarenmacht  war  gebrochen.  Die  arabische  Herrschaft  als
solche  hatte  so  ziemlich  aufgehört,  indem  im  Chalifate  und  den
aus  ihnen  hervorgegangenen  Reichen  im  Osten  die  Türken,  im
Westen  allmälig  die  Berbern  die  dominirenden  Stämme  wurden.
1  Von  Constantinope.l  wanderte  der  Feuertod,  den  die  Byzantiner  so  häufig'
erwähnen,  nach  dem  Abendlande.

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