Literaturgeschichte der Compilationes antiquae etc.
73
bald nur aut' fremde Mittheilungen desselben Charakters bald höchstens
auf die eine oder andere Handschrift gestützten Untersuchungen
für die Literaturgeschichte nur einen sehr untergeordneten
Werth i). Es kommt mir nicht in den Sinn, meine Untersuchung für
abschliessend zu halten; immerhin aber glaube ich, dass dieselbe,
gestützt auf eine Anzahl alter Handschriften der verschiedensten
Länder und Bibliotheken über die aus diesen gezogenen Resultate
entscheidend ist.
Bei dieser Untersuchung berücksichtige ich nicht diejenigen
Namen, welche nur in Glossen citirt werden, weil dies
nach dem Obigen keine Gewähr bietet, sondern lediglich jene, mit
deren Namen die Glossen gezeichnet sind und zwar bloss
dann, wenn diese Glossen in Handschriften der Comp,
antiquae sich vor finden. Für diesen Fall hat man einen festen
Boden, weil die Abschreiber von Profession wohl Schreibfehler
machten, aber nichts zuthaten. Stimmt mit den also gewonnenen
Resultaten die Angabe von Alteren überein, so hat man wohl Sicherheit.
Wir sind dabei in keiner ungünstigeren, vielleicht in einer
günstigeren Lage als Johannes Andrea. Denn es ist sehr zu bezweifeln,
dass dieser nur sehr alte Handschriften gehabt habe, vielmehr
wahrscheinlich, dass die alten ausser Cours kamen, die neuen beliebter
waren. Ein Beweis dafür dürfte darin liegen, dass Johannes
Andrea mehr als ein älteres Werk nicht kennt, das noch jetzt in deutschen
Bibliotheken liegt, wohin es offenbar früh aus Italien ge-1
j Ant. Augustinus Prooem. nennt für die Comp. 1.: Bern., Vinc., Alan., Tauer.,
Laur., Rogerius, Ruf., Silv., Joh. Hisp., Joh. Fav , gibt aber an, er habe die
Schriften der 4 letzteren nicht gesehen, führt auch nicht an, wie bei den anderen,
dass mit ihrem Namen bezeichnete Scholien Vorkommen. Zur Comp. 11. gibt er
an: Joh. Gal., Hugo Ferrar. Episc., Bern. Comp., sagt dann aber ausdrücklich:
gezeichnete Scholien babe er nur gesehen von Vinc., Tan., Alan., Laur. und
manche ohne Siglen, die er Joh. Gal. zuschreibe. Zur Comp. III. habe er nur dieselben
Namen gesehen, Joh. Andr. nenne aber auch als interpres den Paulus
Hungarus (dies ist ungenau). Zur Comp. IV. habe er nur Joh., Jacob., Rob. oder
Rog. gelesen, es werde aber auch Vinc. angegeben. Die Comp. \. habe Jacobus
Albanus glossirt. Somit stimmen des A n t. Aug. aul eigene Kenntniss gestützte
Angaben mit meinen Forschungen, die auf Joh. Andr. und Durantis gestützten
sind Folge einer ungenauen Lectüre.