Eränica.
363
Es wurde in Folge der Hervorhebung der vorletzten Silbe die
darauf folgende letzte mit erschlaffter Articulation gesprochen, wodurch
die Consonanten m, s in der Aussprache fast gar nicht gehört
wurden, so dass sie endlich spurlos abfieien. Uie Vokale der letzten
Silbe sanken ohne Unterschied zum tonlosen e herab, als welches
sie endlich ganz fallen gelassen wurden.
Durch dieses neue Auslautgesetz wurden zuletzt alle einfachen
Formen in oxytonirte und consonantisch schliessende umgewandelt,
Formen, wie sic die neupersische Schriftsprache grösstentheils darbietet.
Nebst dem Schlüsse mit jedem Consonanten, gestattet das
Neupersische bekanntlich noch Schluss mit Vokallängen und Diphthongen;
dagegen kommt der Schluss mit Vokalkürzen im Neupersischen
nicht vor. Der Schluss mit Vokallängen und Diphthongen
ist aber kein ursprünglicher, d. h. aus dem Auslautgesetze unmittelbar
folgender, sondern ist in Folge von Veränderungen der schliessenden
Consonanten als solcher entstanden.
So ist z. B. das d von Uw (snmdj erst in Folge der Verschleifung
eines schliessenden k in den Auslaut gekommen (vgl. damit die
ossetische Form CMax), da aus dem altbaktrischen
(ymmähem) nach dem Auslautgesetze zunächst eine Form (yujsmdk
hervorgeht.
Ebenso ist lib (dann) erst später aus der Form AJUb (danäk)
entstanden, welche das Pehlewi noch darbietet. (bdzu),
(roetj sind erst später eingetretene Entwicklungen aus
(bdzuk), jU(rözikj, (rocrk), Formen, welchen wir im
Pehlewi noch begegnen. ^$U (päi) ist zunächst aus päy entstanden,
dessen ^ aus dem dh von (pddlia) nach einem eigenthümlichen
Lautgesetze sich entwickelt hat. Die Form .LJle- (khänagi)
steht zunächst für khänakiy, eine Ableitung von kliänak (ältere
Form für Ule»-) mittelst des Suffixes -iya.
Indem wir nun die Wirkungen des Auslautgesetzes an den einzelnen
Formen der Sprache betrachten wollen, werden wir dieselben
nach den beiden Kategorien Nomen und Verbum einer kurzen
Musterung unterziehen.
24'