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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 66. Band, (Jahrgang 1870)

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Müller

Consonanten  m  und  s,  von  welchen  letzteres  nur  nach  Vokalen,
welche  nicht  a  sind,  vorkommt.
Als  das  Armenische  vom  gemeinsamen  Stamme  sich  loslöste,
hatte  es  wahrscheinlich  Auslautformen,  welche  im  Ganzen  mit  jenen
der  beiden  soeben  genannten  Dialekte  iibereinstimmten;  es  ist  sogar
nach  dem  übrigen  Charakter  der  Sprache  anzunehmen,  dass  das
Armenische  in  dieser  Beziehung  dem  Altbaktrischen  näher  stand,  als
der  Sprache  der  achämenidischen  Keilinschriften.
Was  die  Betonung  der  alteränischen  Sprachen  anlangt,  so  sind
wir  darüber  gar  nicht  unterrichtet;  es  scheint  aber,  dass,  gleichwie
in  dem  zunächst  mit  ihnen  verwandten  Altindischen,  der  Accent
meistens  auf  einer  der  letzten  Silben  des  Wortes  sich  bewegte.  Zu
dieser  Ansicht  führen  auch  einzelne  Vokal  -  Verlängerungen,  für
welche  ein  lautlicher  Grund  nicht  namhaft  gemacht  werden  kann,
und  welche  daher  nur  dem  Gegenaccent  ihr  Dasein  verdanken  können,
z.B.  -"ei»Ji  (vigpa.)  für  vigpa  (=  altind.  vifvci),\j"6e!?  (vimano)  für
vimanö  (wahrscheinlich  =  dvi-\-manas),  (bitya)  für  bitya
(=altind.  dvitiya),  ■»&■!<>  (mizda)  für  mizda  etc.  (oidvu)  =
vidvä  (altind.  vidvas),  6(vifem)  =  vifem  (altind.  vif  and),
JZZ  (yühhta)=ynkiitn  (altind.  yuktci),  (crüta)=erutn
(altind.  gruta,  griech.  xAuro-).
Dieser  Accent,  welcher  an  eine  bestimmte  Stelle  nicht  gebunden ­
  war,  scheint  während,  oder  bald  nach  jener  Zeit,  in
welcher  das  Armenische  vom  gemeinsamen  Stamme  sich  loslöste,
vielleicht  durch  den  Einfluss  eines  nicht-arischen  Volkes  auf  der
vorletzten  Silbe,  und  in  jenen  Fällen,  wo  er  auf  ein  Flexions-Element
  zu  stehen  gekommen  wäre,  auf  der  drittletzten  Silbe
sich  festgesetzt  zu  haben  i).

1 )  In  der  Veränderung  des  Accentes  durch  den  Einfluss  eines  stammfremden  Volkes
scheint  der  nicht  geringste  Anlass  zur  Umwandlung  einer  Sprache  zu  liegen,  ein
Punkt,  welcher  bisher  von  den  wenigsten  Sprachforschern  nach  Gebühr  gewürdigt
worden  ist.  So  sind  die  romanischen  Sprachen  wohl  ?um  grösseren  Theile  auf  die
durch  germanischen  und  keltischen  Mund  veränderte  Aussprache  der  römischen
Volksdialekte  zurückzuführen;  die  Prakrit-Dialekte  und  die  neu-indischen  Idiome
zeigen  in  Betreff  der  lautlichen  Seiten  starke  Einflüsse  der  hinterindischen  und
Pravida-  Sprachen.
            
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