Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 66. Band, (Jahrgang 1870)

240

Phillips

Man  scheint  je  nach  der  Zeit  ihrer  Reception  hinsichtlich  dieser
Fremdwörter  drei  Verhältnisse  unterscheiden  zu  dürfen:
1.  Eine  grosse  Menge  lateinischer  Wörter  sind  dem  Baskischen
erst  durch  die  Kirche  zugeführt  worden  :  diese  haben  ihre  Gestalt
so  ziemlich  unverändert  bewahrt.  Ausser  vielen,  die  in  der  gedachten
Litanei  Vorkommen,  gehören  beispielsweise  hielier:  adorazionezko
akta,  kontrizionea  u.  s.  w.  Alle  diese  tragen  den  Stempel  der  Latinität
  unverkennbar  an  der  Stirne,  und  es  ist  daher  auch  für  die
Folge  nicht  nöthig,  sie  in  den  Kreis  dieser  Untersuchungen  zu  ziehen.
2.  Nicht  so  deutlich  tritt  aber  der  nämliche  Ursprung  in  andern
Wörtern  hervor:  in  makliila  wird  man  nicht  gleich  das  lat.  baculus
erkennen,  landatu  auch  nicht  auf  den  ersten  Blick  für  plantare  halten; ­
  eben  so  wenig  frogotchea  für  probare,  ainguru  für  ancora,
barkliatu  für  parcere  u.  s.  w.  Diese  Wörter  dürften  schon  viel  früher
als  jene,  und  zwar  zur  Zeit  der  Herrschaft  der  Römer  über  Hispanien  in
die  Sprache  der  Vorfahren  der  Basken  aufgenommen  worden  sein,  während ­
  späterhin,  als  die  Kirche  mit  ihrem  Latein  hinzutrat  und  dieses
die  gottesdienstliche  Sprache  wurde,  eben  dadurch  eine  solche  Lautveränderung, ­
  wie  sie  sich  dort  zeigt,  ferngehalten  wurde.  Dass  baskisclie
  Schriftsteller,  namentlich  Larramendi,  die  Sache  geradezu
umkehren,  wurde  schon  bei  anderer  Gelegenheit  erwähnt  s).
3.  Eine  dritte  und  äusserst  zahlreiche  Classe  bilden  diejenigen
Wörter,  welche  aus  den  benachbarten  Nachbarsprachen,  aus  dem
Spanischen,  aus  dem  Französischen,  so  wie  besonders  reichlich  aus
dem  Proven^alischen  4)  in  das  Baskische  hinübergewandert  sind.
Als  Beispiele  führen  wir  an:  abantaldea  (fr.  avantage),  bisaia
(fr.  visage),  ispiuna  (fr.  espion),  lekhasia  (fr.  laquais),  minagrea
(vinaigre)  u.  s.  w.  Die  Menge  dieser  ins  Baskische  aufgenommenen
Wörter  macht  es  begreiflich,  wie  man  auf  den  freilich  sehr  verkehrten ­
  Gedanken  kommen  konnte,  dass  das  Baskische  nichts  weiter  als
französischer,  beziehungsweise  spanischer  Dialekt  sei 5 ).  Da  nun
auch  diese  Wörter  im  Baskischen  durch  Laulveränderung  eine  andere
Gestalt  annehmen,  so  ist  es  nicht  immer  leicht,  genau  zu  bestimmen.

3 )  S.  die  angeführte  Abhandlung.  S.  12.
4 )  Uber  das  umfangreiche  Gebiet  des  Provenzalischen,  welches  auch  in  Spanien  sich
weit  verbreitet  hatte,  s.  Diez,  Grammatik  der  romanischen  Sprachen.  Bd.  1.  S.  77.
5 )  S.  die  Abhandlung:  Über  das  baskische  Alphabet.  S.  12.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.