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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 66. Band, (Jahrgang 1870)

Zur  Suffixlehre  des  indogermanischen  Verbums.  II.  209
des  Mediums  gestattete,  zwischen  die  beiden  Bestandtheile  des
activen  Verbalausdruckes  sich  einzudrängen.
Eine  solche  Annahme  ist  aber  aus  doppeltem  Grunde  nicht  statthatt.
  Einerseits  widerspricht  ein  solcher  loser  Zusammenhang  zwischen ­
  den  beiden  Theilen  des  Verbalausdruckes  dem  Principe  der
Flexion,  deren  Wirkungen  ja  überall  an  den  Suffixen  ganz  offen  zu
Tage  treten,  andererseits  lässt  sich  das  Princip  der  Infigirung,  auf
welchem  diese  Formen  beruhen  müssten,  innerhalb  der  indogermanischen ­
  Sprachen  nicht  nachweisen.
Aber  noch  ein  Hauptgrund  spricht  entschieden  dagegen.  Sind
nämlich  md,  sä  (tvä),  tä  Accusative  (und  ihre  Form  gegenüber  den
Stämmen  via-,  tva-,  ta-  schliesst  diese  Annahme  nothwendiger  Weise
in  sich  ein),  so  ist  damit  auch  die  Ansicht  ausgesprochen,  dass  zu
jener  Zeit,  in  welcher  sie  in  den  Verbalkörper  eindrangen,  die  Sprache
fertige  Casusformen  bereits  kannte.  Ob  aber  mit  der  Annahme  von
Casusformen  ein  so  flüssiger  Zustand  des  Verbums  sich  vereinigen
lässt,  wie  er  hier  postulirt  wird,  ist  eine  Frage,  welche  wohl  kaum
irgend  ein  besonnener  Sprachforscher  bejahen  dürfte.
Nach  diesen  Betrachtungen  bleibt  uns  noch  übrig,  unsere  Ansicht
über  dieses  Thema  zu  präcisiren  und  namentlich  die  Entwicklungsgeschichte ­
  der  Suffixe  in  kurzem  darzulegen.
Wir  unterscheiden  in  dieser  Beziehung  fünf  Perioden,  welche
sämmtlich  in  die  indogermanische  Ursprache  fallen.  Es  sind  dies
folgende:
1.  Periode.  Identität  der  Verbalsuffixe  mit  den  persönlichen
Pronominalstämmen,  Mangel  einer  näheren  Zahl-  und  Zeitbestimmung.
Die  Verbalformen  lauten:  tuda-ma,  tuda-tva,  tuda-ta.
2.  Periode.  Inniges  Zusammenschlüssen  der  beiden,  den  Verbalausdruck ­
  bildenden  Theile  zu  ein  er  Form,  womit  die  Verkürzung
der  accentlosen  Suffixe  verbunden  ist.  Die  Verbalformen  lauten:
tuda-m,  tuda-tv  (iuda-sj,  tuda-t.
3.  Periode.  Entwicklung  der  Zahlbezeichnung  und  zwar
zuerst  Gegensatz  zwischen  der  ersten  Person  einerseits  und  der
zweiten  und  dritten  Person  andererseits.  Die  Verbalformen  lauten:
1.  Person  Einz.  tuda-m  2.  Person  Einz.  tuda-tv  (tuda-s)
Mehrz.  tuda-mas  Mehrz.  tuda-tvana
Sitzh.  d.  phil.-hist.  CI.  LXVI.  Bd.  I.  Hft.  14
            
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