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Müller
ihm ganz nahe verwandten Eränischen geläufig ist, in den übrigen
indogermanischen Sprachen dagegen bis auf’ einzelne zweifelhafte
Spuren sich nicht findet, daher erst nach der Zeit der Lostrennung
des Indo-Eränischen vom gemeinsamen Stamme sich entwickelt haben
muss. Wäre diese Form der Zusammensetzung der indogermanischen
Ursprache eigenthiimlicb gewesen, so hätte sie sich gewiss gleich
den übrigen Arten der Zusammensetzung in allen indogermanischen
Sprachen erhalten <).
Es lässt sich also die weit verbreitete Lehre, dass in den Pluralbildungen
des indogermanischen Pronomens additionale Zusammensetzungen
zweier verschiedener Pronominalstämme vorliegen (vgl.
Schleicher: Die Unterscheidung von Nomen und Verbum in der lautlichen
Form 18/511, wo sogar ein wesentliches Charakteristiken des
Indogermanischen anderen Sprachen gegenüber daraus gemacht
wird) nicht rechtfertigen, sondern im GegentheiJ lässt sich sowohl
aus einer näheren Betrachtung der indogermanischen Compositionsformen,
als auch einer Untersuchung der Pronomina der höher
organisirten Sprachen der Nachweis ihrer Grundlosigkeit leicht führen.
Nachdem wir oben -m, -s, -t als die ursprünglichen Formen der
Pronominalsuffixe des Verbums angenommen haben, aus denen -mi,
-si, -ti durch Zusatz eines i entstanden und deren Plurale -masi,
-tasi, -anti analog den Bildungen der Nomina zu erklären sind, haben
wir damit auch der allgemein angenommenen Erklärung der Medialsuffixe
-mai, -sai, -tni, -mu, -sa, -ta aus einer Ve r d op p e I u ri g der
Activsuffixe -mi, -si, -ti widersprochen.
Wir müssen nun auf diesen Punkt etwas näher eingehen. Was
nämlich das Verhältniss der schweren TVtedialsuffixe zu den leichten
Activsuffixen betrifft, so werden nach Bopps Vorgänge die ersteren
als Verdoppelungen der letzteren erklärt, also mai = mami,
sai = sasi, tai = tati. Von den beiden in der Verdoppelung liegenden
Theilen soll der eine das Subject des Verbalaüsdruekes wie im
Activ bezeichnen, während der andere auf das Object, welches in dem
hier zu bildenden Beflexiv-Ausdrucke mit dem Subject selbst zusammenfällt,
zu beziehen ist.
*) Vgl. Benfey. Über einige Plucalbildungen des indogermanischen Verbum. S. 10.
(Abhandlungen d. k. Gesellschaft‘d. Wissenschaften in Göttingen. Bd. XIII.)