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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 66. Band, (Jahrgang 1870)

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Müller

ihm  ganz  nahe  verwandten  Eränischen  geläufig  ist,  in  den  übrigen
indogermanischen  Sprachen  dagegen  bis  auf’  einzelne  zweifelhafte
Spuren  sich  nicht  findet,  daher  erst  nach  der  Zeit  der  Lostrennung
des  Indo-Eränischen  vom  gemeinsamen  Stamme  sich  entwickelt  haben
muss.  Wäre  diese  Form  der  Zusammensetzung  der  indogermanischen
Ursprache  eigenthiimlicb  gewesen,  so  hätte  sie  sich  gewiss  gleich
den  übrigen  Arten  der  Zusammensetzung  in  allen  indogermanischen
Sprachen  erhalten  <).
Es  lässt  sich  also  die  weit  verbreitete  Lehre,  dass  in  den  Pluralbildungen ­
  des  indogermanischen  Pronomens  additionale  Zusammensetzungen ­
  zweier  verschiedener  Pronominalstämme  vorliegen  (vgl.
Schleicher:  Die  Unterscheidung  von  Nomen  und  Verbum  in  der  lautlichen ­
  Form  18/511,  wo  sogar  ein  wesentliches  Charakteristiken  des
Indogermanischen  anderen  Sprachen  gegenüber  daraus  gemacht
wird)  nicht  rechtfertigen,  sondern  im  GegentheiJ  lässt  sich  sowohl
aus  einer  näheren  Betrachtung  der  indogermanischen  Compositionsformen,
  als  auch  einer  Untersuchung  der  Pronomina  der  höher
organisirten  Sprachen  der  Nachweis  ihrer  Grundlosigkeit  leicht  führen.
Nachdem  wir  oben  -m,  -s,  -t  als  die  ursprünglichen  Formen  der
Pronominalsuffixe  des  Verbums  angenommen  haben,  aus  denen  -mi,
-si,  -ti  durch  Zusatz  eines  i  entstanden  und  deren  Plurale  -masi,
-tasi,  -anti  analog  den  Bildungen  der  Nomina  zu  erklären  sind,  haben
wir  damit  auch  der  allgemein  angenommenen  Erklärung  der  Medialsuffixe ­
  -mai,  -sai,  -tni,  -mu,  -sa,  -ta  aus  einer  Ve  r  d  op  p  e  I  u  ri  g  der
Activsuffixe  -mi,  -si,  -ti  widersprochen.
Wir  müssen  nun  auf  diesen  Punkt  etwas  näher  eingehen.  Was
nämlich  das  Verhältniss  der  schweren  TVtedialsuffixe  zu  den  leichten
Activsuffixen  betrifft,  so  werden  nach  Bopps  Vorgänge  die  ersteren
als  Verdoppelungen  der  letzteren  erklärt,  also  mai  =  mami,
sai  =  sasi,  tai  =  tati.  Von  den  beiden  in  der  Verdoppelung  liegenden ­
  Theilen  soll  der  eine  das  Subject  des  Verbalaüsdruekes  wie  im
Activ  bezeichnen,  während  der  andere  auf  das  Object,  welches  in  dem
hier  zu  bildenden  Beflexiv-Ausdrucke  mit  dem  Subject  selbst  zusammenfällt, ­
  zu  beziehen  ist.

*)  Vgl.  Benfey.  Über  einige  Plucalbildungen  des  indogermanischen  Verbum.  S.  10.
(Abhandlungen  d.  k.  Gesellschaft‘d.  Wissenschaften  in  Göttingen.  Bd.  XIII.)
            
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