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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 66. Band, (Jahrgang 1870)

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M  ü  )  1  e  r

Sache  ein  wenig  tiefer  nachspürt,  mehr  als  wahrscheinlich,  dass  die
Zahlzeichen  -üna,  -ina,  -dni,  -an,  -im,  -in,  welchen  wir  in  den  einzelnen ­
  semitischen  Dialekten  begegnen,  nichts  anderes  als  die  Verbindung ­
  des  beim  Pronomen  in  seiner  ältesten  Gestalt  erhaltenen
Zahlzeichens  -mu  (-nü)  mit  dem  jedesmaligen  Casus-Exponenten
(Nom.  ü,  Gen.  i,  Acc.  «)  repräsentiren.  Damit  wäre  aber  auch  der
innige  Zusammenhang  zwischen  Pronominal-  und  Nominalflexion
innerhalb  des  selbständigen  Pronomens  aufgezeigt  (vgl.  meine  Abhandlung ­
  „Der  Verbalausdruck  im  semitischen  Sprachkreise“  519  ff).
Dasselbe  lässt  sieb  aber  auch  an  den  Pronominalsuffixen  des
Verbums  darthun.  Auch  hier  steht  dem  -tu  der  zweiten  Person  innerhalb ­
  der  Suffixe  im  Plural  ein  -tumü  gegenüber,  innerhalb  der  Präfixe
ein  ta-üna  (vgl.  qatal-ta  „du  hast  getödtet“,  qatul-tumü  „ihr  habt
getödtet“,  ta-qtulu  „du  tödtest“,  ta-qtul-üna  „ihr  tödtet“).  Gleiches
findet  sich  auch  oder  lässt  sich  füglich  auch  nachweisen  bei  der
ersten  und  dritten  Person,  wo  nirgends,  wie  jeder  Kenner  der
semitischen  Sprachen  weiss,  zur  Bezeichnung  der  Mehrzahl  eine  Zusammensetzung ­
  zweier  persönlicher  Pronominalstämme  sich  nachweisen ­
  lässt.
Zu  demselben  Resulate  gelangen  wir  auch  durch  eine  Betrachtung ­
  des  türkischen  Pronomens.
Die  Formen  des  selbständigen  Pronomens  lauten:
1.  Person  Sing,  y  (bau)  Plur.  y  (biz)
2.  Person  Sing.  y>  (sän)  Plur.  ^  (siz)
3.  Person  Sing.  J^l  (ol)  Plur.  iy X>\  (anlar)

Wie  das  Tschuwaschische  zeigt,  sind  die  Pluralformen  biz,  siz
aus  bir,  sii'  entstanden,  welche  in  b-ir,  s-ir  aufgelöst  werden  müssen.
Auch  bän  (aus  min  entstanden),  sän  müssen  in  b-än,  s-än  zerlegt
werden,  so  dass  b-,  s-  als  die  eigentlichen  Charakterlaute  der  beiden
Pronomina  übrig  bleiben.  Nun  sind  aber  b-ir,  s-ir  von  den  Stämmen
b-,  s-  nicht  durch  Zusammensetzung,  sondern  mittelst  des  Suffixes
-ir  abgeleitet,  welches  gewiss  nichts  anderes  ist,  als  das  Suffix  -lar,
welches  auch  beim  Nomen  zur  Bildung  des  Plurals  verwendet
wird.
            
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