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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 66. Band, (Jahrgang 1870)

Zur  Kritik  und  Erklärung  von  L.  Apuleius  etc.

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von  similitudinem  oder  imaginem  zwischen  dei  und  merito  das  Wahrscheinlichste ­
  ist.  —  Ich  füge  noch  gleich  hinzu,  dass  einige  Zeilen
unterhalb  in  quippe  perpetuum  nach  quippe  im  Flor.  Cod.  cum
ausgefallen  ist,  wofür  dann  die  späteren  Handschr.  perpetuum  in  cum
geändert  haben.
In  demselben  Capitel  p.  2o3  betrachtet  Ap.  das  Glück  des
Weisen  von  zwei  Seiten:  una  quidem  beatitudo  est,  cum  ingenii
nostri  praesentia  tutamur,  quae  perficimus;  alia.'cum  ad  perfectionem
vitae  nihil  deest,  atque  ipsa  sumus  eontemplatione  contenti.  utrarumque
  autem  felicitatum  origo  ex  virtute  manat,  et  ad  ornamentum  quidem ­
  genialis  loci  vel  virtutis  nullis  extrinsecus  eorum,  quae  bona
ducimus,  adminiculis  indigemus.  Von  den  Erklärungen  des  Ausdruckes
genialis  loci,  das  Floridus  mit  patria,  Bosscha  mit  locus,  in  quo  genius
s.  ingenium  s.  animus  residet,  wiedergibt,  verdient  erstere  gar  nicht
in  Betracht  gezogen  zu  werden,  gegen  letztere  aber  genügt  die  Bemerkung, ­
  dass  sich  genialis  in  einer  solchen  oder  auch  nur  ähnlichen
Bedeutung  nicht  nachweisen  lässt.  Da  läge  nun  die  Conjectur  des
Lipsius:  ingenialis  loci  nahe,  da  ja  der  Ausfall  des  in  durch  das  vorhergehende ­
  m  sich  leicht  erklären  liesse;  allein  ingenialis  ist  ohne
allen  Beleg,  und  abgesehen  davon  ist  loci  hier  überhaupt  gar  nicht  zu
brauchen.  Gewiss  sind  also  beide  Worte  verderbt.  Da  nun  nach
sokratisch-stoischen  Grundsätzen,  denen  Ap.  hier  huldigt,  das  Giück
des  Menschen  einzig  und  allein  auf  seiner  Tugend  beruht,  ohne
dass  er  dazu  der  Stütze  der  äusseren  Güter  bedarf,  so  ist  vor  vel
virtutis  ein  mit  diesem  identischer  Begriff  zu  erwarten.  Mit  der
Tugend  identisch  ist  aber  den  Sokratikern  das  Wissen,  denn  sie
ist  die  praktische  Bethätigung  desselben,  die  bei  der  vorausgesetzten ­
  Einheit  von  Wissen  und  Wollen  nie  ausbleiben  kann.  Ich
vermuthe  daher  ingenii  actuosi  (s.  oben:  ingenii  nostri  praesentia
und  Cic.  de  nat.  deor.  I,  40,  110  virtus  enim  actuosa).
Gleich  darauf  lesen  wir:  non  solum  autem  oportet,  dum  vitam
colit,  digna  diseere  nec  ea  agere,  quae  eorum  maiestati  displiceant,
verum  et  tune,  cum  eorpus  relinquit.  Das  eorum  fordert  ein  vorausgehendes ­
  diis,  weshalb  Stewechius:  digna  dis  dicere,  Hildebrand:
digna  dis  diseere  schrieb.  Zu  agere  stimmt  jedesfalls  dicere  besser,
abgesehen  davon,  dass  diseere  auch  zu  tune,  cum  eorpus  relinquit
weniger  passt.  Wäre  aber  nicht  digna  dis  scire  sowohl  paläographisch,
  als  auch  des  Sinnes  wegen  vorzuziehen,  indem  dadurch  das
            
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