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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 66. Band, (Jahrgang 1870)

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Goldbacher

Gestalten  sei  nach  dem  Geschmacke  solcher  Leute,  sondern  nur  die
Weichlichkeit  entnervter  Körper.
Unrecht  thun  ist  schlimmer  als  Unrecht  leiden,  das  Schlimmste
aber  ist,  wenn  man  Unrecht  gethan  hat,  nicht  bestraft  zu  werden:
graviusque  et  acerhius  est  omni  supplicio,  si  noxio  impunitas  deferatur
  nec  hominum  interim  animadversione  plectatur,  sicut  gravius
  est  acerbissimorum  morborum  carere  medicina,  medentes
fallere,  nec  uri  aut  secari  eas  partes,  quarum  dolore  incolumitati
residuarum  partium  consulatur  (c.  17,  p.  244).  Ganz  verkehrt
hat  diese  Stelle,  deren  Quelle  Plato  Gorg.  p.  474  ff.  ist,  Hildebrand ­
  aufgefasst,  indem  er  carere  in  carentes  ändert  und  dann
den  Sinn  mit  folgenden  Worten  wiedergibt:  gravius  est,  a  medentibus,
  qui  acerbissimorum  morborum  medicina  careant,  falli  sc.
aegrotos.  Nicht  das  wird  hier  als  das  Schlimmere  bezeichnet,  dass
Arzte  bei  unheilbaren  Krankheiten,  wogegen  sie  kein  Mittel  wissen,
die  Kranken  täuschen  und  sich  hüten  dem  Übel  entgegenzutreten,
weil  sie  es  dadurch  nur  verlängern  —  davon  handelt  der  Anfang
des  folgenden  Capitels  —,  sondern  Ap.  sagt,  schlimmer  als  jede
Strafe  sei  Straflosigkeit,  so  wie  es  auch  schlimmer  sei,  wenn  körperlich ­
  Kranke  nicht  geheilt  werden,  dem  Arzte  zu  entgehen  suchen,
die  krankhaften  Theile  weder  brennen  noch  schneiden  lassen.
Eine  Änderung  dieser  Stelle  ist  daher  ganz  unnöthig,  auch  die,
welche  Oudendorp  vorschlägt  sic  vi  gravius  est;  denn  die  Angabe
des  Gegenstandes  der  Vergleichung,  der  dem  obigen  omni  supplicio ­
  entspräche,  ist  hier  überflüssig,  da  sich  derselbe  aus  dem
Zusammenhänge  leicht  ergänzen  lässt  (quam  non  carere  medicina,
medentes  non  fallere  etc.).
c.  18,  p.  246  virum  pessimum  non  solum  deteriorem  etiam
esse  dicebat,  quod  distrahatur  semper  editione  vitiorum  et,  si  desiderium
  aestibus  differtur,  qui  quanto  plurium  cupidior  sit,  tanto
egentior  sihimet  et  propterea  aliis  videri  potest.  Das  non  solum
.  .  .  etiam  und  die  folgenden  Sätze,  welche  beweisen,  dass  der
Schlechte  auch  zugleich  unglücklich  sein  müsse  (s.  Plat.  de  rep.
p.  576  C  dp’  ouv,  zv  a  iyö),  Sg  d.v  yalvriTca  Trovr/pörarog,  xaä  äShcI)-rarog
  <pm-r,Girou;),  zwingen  uns  anzunehmen,  dass  hinter  deteriorem
etwa  sed  miseriorem  ausgefallen  sei.  Qui  hingegen  scheint  bloss
durch  Dittographie  aus  quanto  entstanden  zu  sein  und  ist  daher
zu  entfernen.
            
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