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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 66. Band, (Jahrgang 1870)

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Goldbacher

malitia  heisst:  nec  solum  qualitas  verum  etiam  similitudo  cum  virtutis
ingenio  coniungitur  für  qualitas  mit  Reiz  aequalitas  zu  schreiben
ist  (vergl.  noch  c.  i  3,  p.  238).
Was  nun  die  einzelnen  Tugenden  betrifft,  so  entsprechen  nach
Plato  den  3  Theilen  der  Seele  die  drei  Tugenden:  Weisheit,  Tapferkeit ­
  und  Enthaltsamkeit  (c.  6).  Die  Gerechtigkeit  hingegen  erstrecke
sich  über  alle  drei  Theile  zugleich.  Von  der  letzteren  nun  lesen  wir
c.  7,  p.  229  hanc  ille  heros  iustitiam  modo  nominat,  nunc  universae
virtutis  nuncupatione  complectitur,  et  item  fidelitatis  vocabulo  nuncupat;
sed  cum  ei,  a  quo  possidetur  est  utilis,  benivolentia  est,  at  cum  foras
spectat  et  est  fida  speculatrix  utilitatis  alienae,  iustitia  nominatur.  So
steht  es  in  sämmtlichen  Ausgaben,  nur  dass  Hildebrand  für  a  quo
bloss  quo  setzt  ohne  jedoch  an  dem  Gedanken  etwas  ändern  zu
wollen.  Mais  en  tout  cas,  übersetzt  Betolaud,  consideree  sous  le  point
de  vue  de  l’utilite  qu’elle  procure  a  son  possesseur,  eile  est  la  bienveillance;
  consideree  dans  lesrapports  exterieursetcomme  s’occupant
avec  zele  de  ce  qui  est  utile  aux  autres,  c'  est  proprement  la  justice.
Ist  es  aber  nicht  ein  höchst  sonderbarer  Gedanke,  die  Gerechtigkeit
heisse  rücksichtlich  des  Nutzens,  den  sie  ihrem  Besitzer  verschafft,
benivolentia?  Da  nun  die  Leseart  des  Cod.  F t  nicht  ausdrücklich  bemerkt ­
  ist,  und  der  Cod.  Voss.,  der  sonst  vielfach  mit  jenem  übereinstimmt, ­
  ei  quod  bietet,  so  ist  bei  der  Unzuverlässigkeit  der  Collationen
  des  Lindenbrogius  der  Gedanke  nicht  ausgeschlossen,  dass  auch
dort  dasselbe  stehe.  Wenigstens  gäbe  dies  den  erträglichen  Sinn.
Gerechtigkeit  gegen  das,  worauf  ich  ein  Besitzrecht  habe,  z.  B.  eines
Königs  gegen  seine  Unterthanen  oder  des  Mannes  gegen  Weib,
Kinder  und  Sclaven  sei  benivolentia,  wenn  sie  sich  dagegen  auf  etwas
bezieht,  was  ausserhalb  desselben  liegt  (si  foras  spectat  et  est  fida
speculatrix  utilitatis  alienae)  Gerechtigkeit  im  engeren  Sinne.  So
heissen  ja  die  Gnadenakte  der  Kaiser  benevolentiae.
Nicht  sicherer  ist  die  Überlieferung  des  Flor.  Cod.  im  nächsten
Paragraphe,  wo  von  der  Gerechtigkeit  in  der  Vertheilung  des  Ackerlandes ­
  gesprochen  wird.  Sollte  da  nicht  Ap.  ut  singulis  in  agros
dominatus  congruens  deferatur  ac  servetur  bonis  opimior,  minor  non
bonis  geschrieben  haben?  Für  opimior  finden  wir  nämlich  in  den
Handschr.  optimis  optior,  was  leicht  durch  eine  Art  Dittographie  aus
jenem  entstanden  sein  kann.
            
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