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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 66. Band, (Jahrgang 1870)

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v.  Schulte

44.  Wie  die  Zusammenstellung  des  §.  28  lehrt,  kommen  in  den
meisten  Handschriften  die  Siglen  1.  la.  lau.  laue,  vor;  ein  Blick  in
irgend  eine  Handschrift  mit  solchen  lehrt,  dass  dies  nicht  etwa  das
eine  oder  andere  mal  und  somit  vielleicht  aus  Liebhaberei  des  Abschreibers ­
  geschieht,  sondern  stehend  ist,  dass  auf  derselben  Seite
diese  Siglen  variiren.  Jedoch  sei  erwähnt,  dass  die  Sigle  la.  in  der
Comp.  1.  zahlreicher  ist  als  lau.,  was  sich  auch  aus  dem  Folgenden
erklärt.  Ich  habe  lange  darüber  geschwankt,  ob  die  Siglen  sämrntlich
  auf  Laurentius  geben  oder  nicht,  bin  aber  jetzt  im  Reinen
darüber,  dass  dies  nicht  der  Fall  ist,  aus  folgenden  Gründen:
1.  Jede  Sigle  setzt  voraus,  dass  der  allgemeine  Usus  sie  auf
eine  bestimmte  Person  beziehe.  Wäre  dem  nicht  so,  entstände  lauter
Verwirrung.  In  der  Tliat  finden  wir  dies  auch  im  römischen  wie  im
canonischen  Rechte.  Nun  kann  aber  1.  la.  an  sieb  auf  Lanfrancus,
Laborans,  Laurentius  gehen,  lau.  nur  auf  letzteren.  Es  wäre  also  in
der  That  sonderbar,  für  diesen  eine  andere  Sigle  zu  gebrauchen,  als
die  ihn  unzweifelhaft  bezeichnende  lau■  law.
2.  lau.  und  laur.  kommt  so  häufig  vor,  dass  man  kaum  annehmen ­
  kann,  man  habe  zur  Abwechslung  auch  1.  und  la.  geschrieben.
3.  la.  lan.  ist  eine  hergebrachte  Abkürzung  für  Lanfrancus ­
 1 ).  Es  ist  nun  ausser  Zweifel,  dass  gerade  Lant'rancus  zugleich ­
  Civilist  und  Canonist  war®).  Ich  werde  dies  aus  der  demnächst ­
  bekannt  zu  machenden  Summa  des  Johannes  Hispanus  noch
näher  darthun.  Dieser  citirt  ihn  als  Civilisten  stets  mit  dominus
la.  oder  lan.,  als  Canonisten  schlechtweg  la.  oder  lan.  auf  gegen
50  Seiten,  den  lau.  auf  33  Seiten  stets  constant,  und  setzt  wiederholt ­
  in  derselben  Stelle  la.  und  lau.  in  Gegensatz  zu  einander.  Zugleich ­
  ist  daraus  der  Beweis  zu  liefern,  dass  1.  und  la.  identisch
sind.  Es  bedarf  keines  Wortes  darüber,  dass  dieser  Schriftsteller,
der  1236  schrieb,  nur  herkömmliche  Zeichen  gebrauchte.  Wenn
man  nun  für  den  Canonisten  Lanfrancus  dieselbe  Sigle  1.  la.  lan.  gebrauchte, ­
  die  dem  Civilisten  Lanfrancus,  d.  h.  derselben  Person  zukam, ­
  so  verstand  sich  das  wohl  von  selbst.  Ich  stelle  nun  zum  Beweise ­
  des  Gesagten  ein  paar  entscheidende  Stellen  nebeneinander.

*)  v.  Savigny  Gesch.  V.  S.  73  ff.  hes.  Note  e.  f.  g.
a )  Savigny  a.  a.  0.
            
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