90
Kvfcala
alias, wenn es von dieser Wurzel herriihrt, den sich entfernenden,
den entfernten bezeichnen, woraus siel» die Bedeutung
jener ergab, die meiner Ansicht nach diesem mit ollus (ille) stammverwandten
Worte zukam und die älter ist, als die gewöhnliche Bedeutung.
Die Ansicht, dass die Bedeutungen von alias, ollus auf
eine Verbalwurzel ar, al „gehen, sich entfernen“ zurückgeht, wird
nicht auffallend erscheinen, wenn man bedenkt, dass auch andere
Wörter, deren Bedeutung verblasste und welche Raumverhältnisse
bezeichnen, doch von Verbalwurzeln herrühren, wie ds£i6g, ds^irspog,
dexter, ay.ca.6g u. a. Ferner wird z. ß. napüv, rcocpsaultg, antiv —
oos, iasXvog gebraucht.
Es fragt sich nun aber, ob alias und ollus verwandt ist. Pott
(Etym. Forsch. I, 299) und nach ihm Corssen (Krit. Beitr. S. 303)
sehen ollus für eine Deminutivform vom Pronominalstamme ana an ').
Aber die Annahme einer Deminutivform scheint, wo es sich um die
'/.E'.c d. i. a7ZOK£[iKSLg) aiminehmende ftsrafXstv. Das Verhältniss der drei Wörter
/j.czaWao), *p.Erä/.Xvj, '‘p.EräW.co ist dasselbe, wie das von jteip«eo, nrEtpvj, Trei'pw,
wobei natürlich eine Ableitung- des neipvj von dem Präsensstamm des Verbs xeiptfi
von mir eben so wenig angenommen wird, wie eine Ableitung des Nomens
’^p.eroiXkY; von *p.£raXXtoj vielmehr haben Nomen und Verbum dasselbe Bildungselement
ja gemeint. Für pi£raXXstv, pksraXXav nun nehme ich die Bedeutung
„nach eilen (eilen ist ja auch etymologisch mit latXkeiv verwandt), nachgehen“
an, wie taXXfitv wirklich bei Hes. Theog. 269 pisra^povtai *yap taXXov
noch die intransitive Bedeutung erhalten bat. Aus der Bedeutung „nachgehen“
ergibt sich leicht die gewöhnliche Bedeutung von p.E7«XXav „nachforschen,
nach fragen“ (wie bei [xerep^ecj3<xl, [/.enevou, [/.eradio/xeiv eine ähnliche
Metapher stattfindet). Aber das Verbum bat noch eine andere Bedeutung, nämlich
Odyss. o 23 ovxin p.ep.verai reSvyjorog oode piEraXXa. Pind. 01. 6, 62 p.eraX-Xads'v
re p.iv, was der Scholiast erklärt i cp iko<ppovY) Got.ro, ixearpd<pyj ourov.
Diese Bedeutung „s i c h k ii m m e r n , besorgt sein“ kann man, wie Bühler mit
Recht bemerkt, aus der Bedeutung „nachfragen“ nicht erklären, da dem Griechischen
eine solche Wendung, wie die deutsche „ich frage nicht darnach“
(d. i. ich kümmere mich nicht darum) fremd ist; wohl aber lässt sich dasselbe
leicht aus der Bedeutung „nach gehen“ erklären, wie z. B. II. E 429 p.eripy^eo
£p*ya *yap.oio bedeutet „nach gehen, sich kümmern, b eso r ge n“ oder wie
H. « 160 rwv ovre (/.er or p exy ovd’ dXe r ji^eic.
*) Von ille sagt Pott, dass es vielmehr auf is zurückzugehen scheint. Aber olle, das
wirklich vorkommt, muss man doch für eine Mittelstufe zwischen ollus und ille
halten. Bezüglich der Wandlung der Endung us in e ist mit Corssen (zwar nicht
ipsus — ipse, da ipse älter ist, aber) necesus und necesse zu vergleichen; für die
Schwächung vou o zu i vergleicht er pocillum von pocolom.