Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

82

K  v  {  c  a  1  a

der  Weile,  indessen“  bedeutete  (Corssen  a.  0.  284).  Bezüglich  der
Entwicklung  der  relativen  Geltung  des  dum  vgl.  das  deutsche  weil
(auch  temporal),  derweil,  während.  Das  griech.  reuig  ist  eig.  demonstrativ ­
  „s  o  1  an  ge“  ;  aber  die  demonstrative  Geltung  tritt  zuweilen
zurück,  so  dass  es  „eine  Weile,  eine  Zeit  lang“  bezeichnet,  also  indefinit ­
  gebraucht  wird,  wie  z.  B.  Plat.  Lys.  207  A  reuig  piv  ouv
•hxöpEL  re  xxi  uixvei  ixövog  xpoGLsvxr  enecra  xrl.  Lach.  183  E  reuig
p.ev  ovv  xapeSsi  iv  rfj  vr/'i  dvrey_oiJ.svog  rov  döpxrog  -  eiTel  de  or,  zt),.
Man  sieht  leicht,  wie  in  diesem  Contexte  die  Bedeutung  von  reuig
„unterdessen,  bis  dahin“  in  die  von  „eine  Zeit  lang“  übergehen
konnte.  Tsw?  findet  sich  nun  aber  auch  als  Conjunction,  also  relativ
(=  euig)  gebraucht,  z.  B.  Plat.  Symp.  191  E  reuig  uv  nxldeg  coac,
filovai  ru-jg  xvdpag  (vgl.  Lexika  und  Buttmann,  index  zu  Demosth.
Mid.)
II
Wie  verhält  sich  nun  die  interrogative  Function  des  Stammes
ha  (ki)  zu  der  indefiniten?  Die  angebliche  Entwicklung  der  letzteren
aus  jener  stellt  Pott  (Etym.  Forsch.  I,  361)  so  dar:  „Das  Fragpronomen ­
  wird  häufig  in  den  Sprachen,  nur  wenn  zuvor  durch  Tonlosigkeit
  abgeschwächt,  als  Indefinitum  verwendet,  z.  B.  si  quis  (aliquis).
Griech.  [xv/ng  ne  quis.  Es  kam  wer  (jemand);  d.  h.  Gekommen  ist
jemand,  nur  bleibt  noch  fraglich  wer? 11  Eine  ähnliche  Verbindung
zweier  Momente  (eines  Aussagesatzes  und  einer  Frage)  kommt  wirklich ­
  vor,  z.  B.  Eur.  Hipp.  S21  xavr'  dv  <poßri3-ela’  ioSi-  deip.aivecg  de
rt;  Or.  393  ijp^ui  de  ’XvaGYig  xdre;  rig  r,p.epa  rbr  r,v;  Solche  Sätze
kann  man,  um  Pott's  Worte  zu  gebrauchen,  erklären:  „Du  fürchtest;
nur  bleibt  noch  fraglich,  was.“  Aber  auf  diese  Weise  ist  gewiss  die
indefinite  Geltung  historisch  nicht  entstanden,  sondern  das  Verhältnis ­
  muss  umgekehrt  werden.  Ich  führe  hiefür  folgende  Gründe  an:
1.  Die  interrogative  Function  eines  Wortes  ist  ohne  Zweifel
ganz  und  gar  abhängig  von  dem  fragenden  Tone,  dessen  man
sich  bedient.  Es  gab  niemals  absolute  Fragewörter,  d.  i.  solche,
denen  die  fragende  Geltung  wirklich  innegewohnt  hätte  <).  sondern
0  Benfey  (Kuhn's  Zt.  9,  123)  stellt  zwar  einen  solchen  Versuch  auf,  indem  er  meint,
das  interrogative  Pronomen,  dessen  organische  Form  nach  seiner  Ansicht  kva  ist,
könne  in  Verbindung  gebracht  werden  mit  dem  skr.  Verbum  ku  „ein  Geschrei
erheben,  rufen“.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.