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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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H  o  f  m  a  n  n

§.  12.
Schluss.
Aus  dem  Verlobungsring  war  ein  Trauring  geworden,
aus  dem  „anulus  arrhae“  ein  „anulus  pretii“.  Aber  dabei  blieb  die  Umwandlung ­
  nicht  stehn.  Die  ursprüngliche  Bedeutung  des  Ringes  erfuhr ­
  eine  vollständige  Umdeutung  in  der  Art,  die  schon  oben
(§.  11)  angegeben  wurde.  Die  ursprüngliche  Symbolik  bezog  sich
auf  die  formelle  Seite  der  Verehelichung  (den  Brautkauf),  sie  war
juristisch,  nüchtern;  die  moderne  Deutung  bringt  den  Ring  in  Zusammenhang ­
  mit  dem  materiellen,  sittlichen  Gehalte  der  ehelichen
Verbindung;  sie  ist  poetisch,  gemüthlich.  Auch  hier  mag  die  Veränderung ­
  keine  plötzliche  gewesen  sein.  An  die  juristische  Deutung
schloss  sich  die  ethisch-symbolisirende,  bis  nach  und  nach  der  prosaische ­
  Kern  von  der  poetischen  Umhüllung  für  das  Bewusstsein  des
Volkes  völlig  verdeckt  wurde.  Dabei  dürfte  auch  die  kirchliche  Lehre
von  der  sakramentalen  Natur  der  Ehe  mitgewirkt  haben.
Ermöglicht  wurde  diese  Umdeutuug  durch  das  Verschwinden
des  symbolischen  Brautkaufs.  Wie  der  Übergang  vom  wirklichen
zum  Scheinkaufe,  so  vollzog  sich  auch  diese  Änderung  in  verschiedenen ­
  Ländern  zu  verschiedenen  Zeiten.  In  England  wird  noch  1608
in  einer  Kirchbuch-Eintragung  auf  die  Dahingabe  von  Geldstücken
ein  besonderes  Gewicht  gelegt 1 );  während  in  vielen  Gegenden
Deutsch  1  and’s  schon  viel  früher  jene  Erinnerung  erloschen  war;
sonst  hätte  es  nicht  Vorkommen  können,  dass  der  Verlobungsring  von
Seiten  des  Verlobers,  also  von  Seiten  der  Braut,  gegeben  wurde 2 ).
Ein  sicheres  Zeichen  der  im  modernen  Sinne  vollzogenen  Umdeutung ­
  s)  ist  es  überall,  wenn  an  die  Stelle  des  einen  vom  Bräutigam
zu  gebenden  Ringes  der  Ring  Wechsel  getreten  ist*).
Doch  länger  als  des  Volkes  Erinnerung  an  den  Brautkauf,
erhielten  sich  dessen  Spure  ns).  Es  „mag  .  .  .  daran  erinnert  wer-*)

  FriedbergS.  45.
2 )  Weinhold,  die  deutschen  Frauen  irn  Mittelalter,  S.  222,  N.  4  und  S.  225.
3 )  Klar  spricht  diese  sich  aus  in  der  Formel  bei  Weinhold,  S.  226.
In  Frankreich  sind  zwei  Ringe  bezeugt  für  das  J.  1596  (FriedbergS.  61,
N.  2);  —  über  Deutschland  s.  Weinhold,  S.  226.
5 )  Wegen  Frankreich  s.  Friedberg  S.  96,  N.  3.
            
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