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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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K  v  1  c  a  1  a

interrogativen  und  indefiniten  Geltung  von  quis,  qui  geltend  machen,
mag  nun  die  interrogative  die  primäre  oder  (wie  ich  glaube)  die  secundäre
  sein.  Dass  das  relative  qui  in  der  Regel  an  der  Spitze  des
Satzes  steht,  ist  natürlich  und  findet  sich  dies  auch  bei  relativen  Wörtern, ­
  denen  andere  Pronominalstämme  zu  Grunde  liegen.  Eben  so  natürlich ­
  ist  es,  dass  das  indefinite  quis,  qui  nicht  an  die  Spitze  des
Satzes  gestellt  ward,  da  die  im  Laufe  der  Zeiten  sehr  abgeschwächte
Bedeutung  dieser  Wörter  sich  mit  dieser  nachdrücklich  hervorhebenden ­
  Stellung  nicht  vertrug.  Dass  ursprünglich  auch  ein  indefinites
kas,  kis,  quis  an  der  Spitze  des  Satzes  stehen  k  o  n  n  t  e,  ist  nicht  zu  bezweifeln; ­
  so  wie  nun  aber  auch  andere  (zusammengesetzte)  Indefinita
diese  Stellung  nicht  lieben  (aliquis,  quidam,  quispiam),so  musste
hei  dem  schwächeren  quis,  qui  diese  Abneigung  noch  grösser  sein.
Die  Gründe  nun  für  die  Annahme  der  Entwicklung  des  relativen
Gebrauches  aus  dem  indefiniten,  und  nicht  aus  dem  interrogativen,
sind  :
1.  Mit  der  Thatsache,  dass  hei  anderen  Pronominalstämmen  sich
die  relative  Geltung  aus  der  demonstrativen  entwickelt  hat  (skr.  jas
gr.  Sg,  6,  slav.  ize,  goth.  saef),  harmoniert  besser  die  Erklärung  der
relativen  Geltung  des  Stammes  ka  aus  der  indefiniten,  da  bei  dieser
Erklärung  der  relative  Nebensatz  als  entstanden  aus  einem  selbstständigen ­
  Aussagesatz  betrachtet  wird,  gerade  so  wie  die  Sätze,  in  denen  das
relative  Pronomen  sich  aus  dem  demonstrativen  entwickelt  hat,  ursprünglich ­
  selbstständige  Aussagesätze  und  nicht  Fragesätze
waren.
2.  Für  die  andere  Auffassung  werden  wohl  hypothetische  Perioden, ­
  deren  Protasis  ursprünglich  ein  selbstständiger  Fragesatz  war,  als
Analogie  angeführt;  aber  anderseits  kann  man  auch  viele  Beispiele
anführen  für  die  Entstehung  der  hypothetischen  Protasis  aus  einem
die  Annahme  bezeichnenden  Aussagesatze;  vgl.  oben  S.  3.  Bemerkenswerth ­
  ist  hiebei  besonders,  dass  die  lateinische  Sprache,  deren
Relativa  sämmtlich  angeblich  aus  der  interrogativen  Geltung  des  Stammes ­
  ka  entstanden  sind,  gerade  hei  der  Bezeichnung  des  hypothetischen ­
  Verhältnisses,  wo  die  Wahl  der  interrogativen  Form  am  nächsten ­
  gelegen  wäre,  davon  keinen  Gebrauch  gemacht  hat;  denn  z.  B.
in  dem  Satze  „si  me  adiuvabis,  laudabo  te u  wird  man  doch  „si  me
adiuvabis“  nicht  auf  einen  Fragesatz  zurückfuhren  können,  da  si  (sei,
svei)  ursprünglich  demonstrativ  ist.  Auch  ist  zu  beachten,  dass  zahl-
            
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