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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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H  o  f  in  a  n  n

Hieraus  erklärt  es  sich,  warum  damals  nicht  wie  heute,  Ringe
gewechselt  wurden,  sondern  (wie  in  Rom)  nur  der  Rräutigam
der  Braut  einen  Ring  gab,  —  ein  Umstand,  der  schon  Grimm  aufgefallen
  ist 14 ).
§•  io.
Der  Trau  rin  g.
Als  der  Brautkauf  ein  symbolischer  Act,  der  Muntschatz
also  ein  Sch  ein  preis  geworden  war,  konnte  die  arrha  um  so
leichter  mit  diesem  verwechselt  werden,  als  der  Eheschliessung  nicht
nothwendig  ein  Verlöbniss  voranzugehen  brauchte.  In  Rom,  wo  eine
Vorbereitung  der  Ehe  durch  Sponsalien  von  der  Sitte  immer  gefordert
war,  konnte  eine  solche  Verwechslung  nicht  Platz  greifen;  um  so
weniger,  als  bei  der  strengen  Einhaltung  juristischer  Formen  keinem
Römer  je  einfallen  konnte,  bei  der  mancipatio  an  die  Stelle  des
raudusculum  etwas  anderes  zu  setzen.  Bei  den  germanischen  Völkern
hingegen  (namentlich  von  den  Franken  gilt  dies)  wurden  nach  dem
Verschwinden  des  wirklichen  Kaufpreises  Verlobung  und  Vermälung
  nicht  immer  auseinandergehalten  Q,  was  sich  in  dem  Sprachgebrauche
  abspiegelt.  Mit  denselben  Ausdrücken  und  Wendungen
wird  von  der  Trauung,  wie  von  der  Verlobung  gesprochen  ;  beispielsweise ­
  wird  mit  „despondere  (dispondare)“  sowohl  die  Übergabe  der
Arrha,  als  die  des  Scheinpreises  bezeichnet  a).  Und  so  wird  in  germanischen ­
  (namentlich  in  fränkischen)  Quellen  der  Scheinpreis ­
  beim  Brautkauf  geradezu  „arrha“  oder  „arrhabo“  genannt 8 ).
Da  man  aber  als  Arrha  Ringe  oder  Münzen  verwenden  konnte,  so  ist
es  nicht  auffallend,  dass  man  später  auch  heim  Scheinpreis  Ringe
an  die  Stelle  der  Münzen  treten  liess  oder  neben  diesen  in  Verwendung ­
  brachte.  Daneben  kamen  zuweilen  noch  andere  kleine  Werthgegenstände ­
  sowohl  als  Arrha,  wie  als  Scheinpreis  vor.

,4 1  R.  A.,  S.  177.
D  Vgl.  §.  9,  N.  1.
a )  Daraus  erklärt  sich  folgende  Incongruenz  in  den  romanischen  Sprachen:  das
franz.  epoux  und  das  span,  und  portug.  esposo  bedeuten  nicht  (wie  die  Abstammung ­
  vom  lat  ein.  sponsus  erwarten  Hesse)  den  Bräutigam,  sondern  den
Gatten;  während  das  italien.  sposo  und  das  engl.  spouse  beide  Bedeutungen
haben.
3 )  Schröder  I,  S.  5S;  Zöpfl  §.  81o,  N.  7.
            
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