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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

testen  Gebrauchsweisen  später  eingeschränkt  wurden  und  zuweilen
ganz  verschwanden,  so  dass  sie  nur  noch  durch  die  Forschung  erschlossen ­
  werden  können.  Nichtsdestoweniger  ist  die  Scheu,  die  relative ­
  Geltung  von  ka  aus  der  demonstrativen  herzuleiten,  erklärlich
und  gerechtfertigt.  Die  Entwicklung  des  relativen  Gebrauches  von  ka
ist  ja  v  e  r  h  ä  11  n  i  s  s  m  ä  s  s  i  g  j  u  n  g,  während  die  demonstrative  Geltung
dieses  Stammes  lange  vor  der  Entwicklung  der  relativen  (die  nur  in  einzelnen ­
  Sprachen  sich  findet),  sicherlich  bereits  vor  der  Sprachentrennung, ­
  dahinschwand  und  nur  in  dürftigen  Resten  sich  erhielt.  Diese
frühzeitig  geschwundene  und  nur  in  Resten,  und  zwar  in  erstarrtem,
dem  Sprachgefühle  nicht  mehr  lebhaft  bewusstem  Zustande  erhaltene
demonstrative  Geltung  von  ka  hatte  gewiss  nicht  mehr  die  Kraft,  um
aus  sichheraus  die  in  einigen  Sprachen  üppig  gediehene  relativeFunction
  zu  entwickeln.  Gesetzt  z.  B.,  dass  der  lat.  Partikel  ce  wirklich
die  demonstrative  Geltung  zu  vindiciren  ist  (wie  z.  B.  Corssen  Ausspr.
  I,  271  annimmt),  so  ist  es  doch  undenkbar,  dass  diese  demonstrative ­
  Geltung,  die  in  liic,  sic  u.  s.  w.  so  zu  sagen  in  gebundenem
Zustande  vorkommt,  auf  die  Entwickelung  des  relat.  Pronomen  qui
und  der  übrigen  zahlreichen  relativen  Wörter  einen  Einfluss  hätte
haben  können.
So  gerechtfertigt  es  nun  aber  auch  ist,  die  relative  Geltung  von
ka  nicht  aus  der  demonstrativen  zu  erklären,  so  halte  ich  doch  anderseits ­
  die  Frage,  oh  der  relative  Gebrauch  sich  aus  dem  interrogativen ­
  entwickelt  habe,  für  eine  offene.  Auch  in  dem  Falle,  wenn  die
indefinite  Function  von  ka  (ki,  k  u)  wirklich  aus  der  interrogativen
sich  entwickelt  haben  sollte  1 ),  würde  ich  es  vorziehen,  die  relative
Geltung  nicht  unmittelbar  aus  der  interrogativen,  sondern  vielmehr
aus  der  indefiniten  zu  erklären.  Ich  verkenne  freilich  nicht,  dass  die
gewöhnliche  Herleitung  logisch  möglich  ist  (vgl.  Pott,  etymol,  Forsch.
I,  S.  361,  2.  Auf].).  Scharfsinnig  führt  Miklosich  (vgl.  Gramm.  IV.  Bd.
S.  77,  Nro.  3)  als  Analogie  den  Umstand  an,  dass  die  Relation  im
Slavischen  auch  durch  die  Frageform  des  Satzes  bezeichnet  wird.  Es
unterliegt  nämlich  keinem  Zweifel,  dass  z.  B.  im  Böhmischen  die  hypothetische ­
  (also  relative)  Geltung  der  enklitischen  Partikel  li  secundär,
  die  interrogative  primär  ist.  Das  hypothetische  Satzgefüge  „po-O

  Ich  werde  aber  unten  nachzuweisen  suchen,  dass  das  Verhältniss  umgekehrt
werden  muss.
            
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