testen Gebrauchsweisen später eingeschränkt wurden und zuweilen
ganz verschwanden, so dass sie nur noch durch die Forschung erschlossen
werden können. Nichtsdestoweniger ist die Scheu, die relative
Geltung von ka aus der demonstrativen herzuleiten, erklärlich
und gerechtfertigt. Die Entwicklung des relativen Gebrauches von ka
ist ja v e r h ä 11 n i s s m ä s s i g j u n g, während die demonstrative Geltung
dieses Stammes lange vor der Entwicklung der relativen (die nur in einzelnen
Sprachen sich findet), sicherlich bereits vor der Sprachentrennung,
dahinschwand und nur in dürftigen Resten sich erhielt. Diese
frühzeitig geschwundene und nur in Resten, und zwar in erstarrtem,
dem Sprachgefühle nicht mehr lebhaft bewusstem Zustande erhaltene
demonstrative Geltung von ka hatte gewiss nicht mehr die Kraft, um
aus sichheraus die in einigen Sprachen üppig gediehene relativeFunction
zu entwickeln. Gesetzt z. B., dass der lat. Partikel ce wirklich
die demonstrative Geltung zu vindiciren ist (wie z. B. Corssen Ausspr.
I, 271 annimmt), so ist es doch undenkbar, dass diese demonstrative
Geltung, die in liic, sic u. s. w. so zu sagen in gebundenem
Zustande vorkommt, auf die Entwickelung des relat. Pronomen qui
und der übrigen zahlreichen relativen Wörter einen Einfluss hätte
haben können.
So gerechtfertigt es nun aber auch ist, die relative Geltung von
ka nicht aus der demonstrativen zu erklären, so halte ich doch anderseits
die Frage, oh der relative Gebrauch sich aus dem interrogativen
entwickelt habe, für eine offene. Auch in dem Falle, wenn die
indefinite Function von ka (ki, k u) wirklich aus der interrogativen
sich entwickelt haben sollte 1 ), würde ich es vorziehen, die relative
Geltung nicht unmittelbar aus der interrogativen, sondern vielmehr
aus der indefiniten zu erklären. Ich verkenne freilich nicht, dass die
gewöhnliche Herleitung logisch möglich ist (vgl. Pott, etymol, Forsch.
I, S. 361, 2. Auf].). Scharfsinnig führt Miklosich (vgl. Gramm. IV. Bd.
S. 77, Nro. 3) als Analogie den Umstand an, dass die Relation im
Slavischen auch durch die Frageform des Satzes bezeichnet wird. Es
unterliegt nämlich keinem Zweifel, dass z. B. im Böhmischen die hypothetische
(also relative) Geltung der enklitischen Partikel li secundär,
die interrogative primär ist. Das hypothetische Satzgefüge „po-O
Ich werde aber unten nachzuweisen suchen, dass das Verhältniss umgekehrt
werden muss.