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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

H  o  f  m  a  n  n  ,  Über  den  Verlobungs-  und  den  Trauring.

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Über  den  Verlobungs-  und  den  Trauring.
Von  Dr.  F.  Hofmann,
Privatdocenten  in  Wien.
§•  i-Das
  Problem.
Seit  Jahrhunderten  ist  hei  allen  germanischen  Völkern  Ringwechsel ­
  das  feierliche  Zeichen  des  geschlossenen  Eheverlöbnisses  .1)
Heute  gehört  der  Ringwechsel  zum  feststehenden  Ceremoniell  einer
jeden  Trauung,  während  bezüglich  der  Verlobung  eine  so  allgemeine ­
  Sitte  nicht  herrscht.  Mit  diesem  feierlichen  Akte  verbinden
wir  die  Vorstellung,  dass  der  ernstliche  Wille  der  Betheiligten,  einander ­
  anzugehören,  mit  einander  verbunden  zu  sein,  symbolisch  manifestirt
  werden  soll.  In  diesem  Sinne  tauschen  sie  Ringe  aus;  und
zwar  in  der  Regel  goldene  Ringe,  —  nicht  des  Schmuckes  wegen,
sondern  weil  der  Ring  das  Zeichen  eines  feierlichen  Gelöbnisses,
der  verpfändeten  Treue  ist,  und  auch  das  Gold  Treue  und  Wahrhaftigkeit ­
  bedeutet.  Auf  goldene  Ringe  legte  der  alte  Skandinavier
den  feierlichsten  Eid  ab  2 );  auf  goldene  Tafeln  schreibt  die  Äsynie
Var  die  Eide  der  Menschen,  namentlich  die  Versprechungen  der
Treue,  welche  Mann  und  Weib  einander  machen  =);  „rein  und  echt

*)  Grimm,  R.  A.,  S.  177.
2 )  Grimm,  R.  A.,  II.  Hälfte,  S.  895  fg.  Der  Schwörende  fasste  „in  Skandinavien
....  einen  im  Tempel  bewahrten,  vom  godi  dargebotenen,  mit  Opferblut  gerötheten
  Ring,  der  dem  Gotte  UHr  geweiht  war;  daher  schwören  „at  hringi  Ullar“
.  .  .  .“  (Folgen  Belegstellen.)
3 )  Darum  ruft  Frithiof,  als  er  von  Ingeborg  sich  betrogen  glaubt:
„Du  höga  Var,
som  med  din  griffel  kring  jorden  far
och  skrifver  eder  pä  gyllne  skifva,
lat  bli  det  narrspei,  Iät  bli  at  skrifva.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LXV.  Bd.  IV.  Hft.

OD
            
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