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Hofier
Es darf uns selbst nicht wundern, wenn die englischen Schriftsteller,
welche unter Heinrich IV. lebten, auf Seite des Hauses Lancaster
standen, da, für Richard Partei zu nehmen, mit der Gefahr
verbunden war, geschleift, gehängt, ausgeweidet, geköpft und dann
noch geviertheilt zu werden, das gewöhnliche Schicksal, welches in
England die Gegner des siegenden Königsstammes traf. Diesem Loose
aber sich auszusetzen, musste Jeder gerechtes Bedenken tragen.
Dann hatten Thomas Walsingham und Thomas Holgill von Richard
ein Geschenk von Ländereien erhalten, welches sie verloren, wenn
sie sich unter seinem siegreichen Gegner dankbar erwiesen. Die
Klugheit lehrte Walsingham Partei gegen seinen Wohlthäter zu
nehmen, als er nicht mehr lebte, und für Heinrich zu sein, der ihm
schaden konnte. Der englische Dichter Chaucer hatte eine Schwester
der Katharina Swynford geheirathet, welche erst Geliebte Johann's
von Gaunt, dann dessen Gemahlin und somit Stiefmutter des Königs
Heinricb’s IV. wurde. Letzterer bedachte seinen neuen Verwandten
freigebig. Kein Wunder, dass er auf seine Seite trat. Auch Gower
hat sich der aulgehenden Sonne angeschlossen. Richard moderte im
Grabe, von ihm war nichts zu befürchten. Als der König zur Zeit
einer Hungersnoth täglich 10000 Menschen aus der königlichen
Küche zu essen gab, ward ihm von Holinshed daraus ein Vorwurf
gemacht und die Sache als Verschwendung des Hofhaltes hingestellt.
Es ist daher ganz begreiflich, dass wir zeitweise auch zu französischen
Quellen unsere Zuflucht nehmen müssen, da die einheimischen
sich als nichts weniger denn unparteiisch erweisen. Nur musste
Froissart mit der grössten Vorsicht benützt werden.
Wie die Quellen sich gegenseitig ergänzen, sind es auch die
einschlägigen Thatsachen.
Nicht die religiöse Bewegung in den Tagen König Richard’s II.
steht allein und für sich abgesondert da, nicht die sociale, nicht die
politische. Die deutschen Fürsten hatten das Kaiserthum von sich
abhängig gemacht und der Solm Kaiser Karl’s IV. sah sich trotz
goldener Bulle wiederholt mit Absetzung bedroht. Der Kampf zwischen
dem Königthum und dem Adel war in allen Ländern ausgebrochen,
drängte überall zu gleicher Entscheidung. Wenn aber die
höheren Ordnungen mit einander im Streite befangen waren, darl
man sich nicht wundern,'dass die niederen gleichfalls sich regten.
Nicht blos in England, in Frankreich wie in Flandern rührten sich