Anna von Luxemburg etc.
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worden, dass man schon aus diesem Grunde gewillt ist, die Sache
für wahr anzunehmen. Welche Rolle aber umgekehrt unter Anna
die Böhmen in England spielten und welch' denkwürdige und weittragende
Revolution auf englischem Boden durch die mit der Königin
herübergekommenen Böhmen veranlasst wurde, ist freilich noch nicht
hervorgehoben worden; sowenig als welchen Einfluss die harten
Leiden der Königin und ihr früher Tod auf Richard II. und die wechselvolle
Entwicklung seiner Regierung ausübten.
Die zweite Persönlichkeit ist Richard selbst.
Diese ist dem deutschen Publikum durch Shakespeare’s gleichnamiges
Drama hinlänglich bekannt. Allein der englische Dichter
beschäftigte sich nicht damit, das erschütternde Drama des früheren
Lebens dieses unglücklichen Fürsten vorzuführen, wie es hier geschieht,
sondern nur mit seinem Sturz und Untergang. Es ist aber sehr
wohl möglich, neben Shakespeare's Richard II. auf das reiche Material
so ächt dramatischen Inhaltes, wie es das ganze Leben des früh
gemordeten Königs darbietet, noch einen andern Richard II. zu
dichten, und zwar von ergreifendster Wirkung. Fast möchte es selbst
leichter sein, einen Richard II. zu dichten, als ihn historisch zu behandeln.
Sein Vetter Heinrich IV., der Begründer der unheilvollen
Königslinie Lancaster, hat ihn nicht blos einmal, er hat ihn zweifach
gemordet. Denn um die Usurpation des Thrones und den Sturz der
Primogeniturlinie zu beschönigen, wurde Alles aufgeboten, diejenigen
zu gewinnen, welche für Richard zeugen konnten. Natürlich, je
düsterer er selbst dastand, desto heller trat Heinrich Bolingbroke
hervor und desto gerechtfertigter war es, den rechtmässigen Erben
Eduard’s III. vom Throne gestossen zu haben. In Richard s Zeit
wurzelt der Streit der weissen und der rothen Rose. Dem Hause
Lancaster geschah nur, wie es selbst dem Sohne des schwarzen
Prinzen gethan. Da ist es leicht über Richard's Falschheit zu declamiren,
wie es Erzb. Arundel gethan. Aber wer bat denn ihn,
den fröhlichen unbefangenen jungen Fürsten zum falschen Manne
gemacht?, wer ihn gezwungen sich zu verstellen, seine wahren
Gefühle zu verbergen und endlich Jahre lang auf den Sturz derjenigen
zu sinnen, welche ihm das grösste Leid zugefügt hatten,
eines Glocester, Warwik und Arundel? Es ist doch Zeit sich auf einen
anderen Standpunkt bei Beurtheilung Richard's zu stellen , als auf den
seiner Gegner, des zu seinem Sturze früh verschworenen hoben Adels!