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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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H  ö  f  I  e  r

aus  dem  Stamme  Wilhelm  des  Eroberers,  war  Franzose  und  ebenso  der
Begründer  des  Hauses  Plantagenet,  aus  welchem  die  nachdrücklichsten ­
  Feinde  der  französischen  Krone  hervorgingen.  Ja  hätte  nicht
der  Besitz  eines  fremden  Thrones  die  Franzosen  in  Gegner  ihres
Vaterlandes  umgewandelt,  wer  hätte  im  Mittelalter  französischer
Umstrickung  entgehen  können?  Galt  es  doch  seit  Alfons  VIII.  in  Castilien
  ein  Burgundisches  (französisches)  Königshaus,  in  Portugal  nicht
minder,  in  Sicilieu  seit  Karl  von  Anjou,  in  Ungarn  seit  Karl  Robert,
Morea  wurde  in  ein  Neufrankreich  umgewaudelt.  Es  fehlte  nur  noch  das
gemeinsame  französische  Interesse,  welches  die  französischen  Päpste
im  XIII.  und  XIV.  Jahrhunderte  nicht  yerläugneten,  und  die  christliche ­
  Welt  ward  den  Franzosen  eigen.  Um  so  bedeutender  war  es,
dass  gerade  England  den  Zauberring  zu  zerschlagen  sich  bemühte,
welchen  Frankreich  um  jene  geschmiedet,  und,  wie  erst  der  Besitz  der
Normandie,  dann  auch  der  der  Guyenne  den  Engländern  Anlass  gab,
sich  in  die  französischen  Verhältnisse  einzumischen,  ja  geradezu
einen  Hebel,  das  Reich  selbst  aus  seinen  Fugen  zu  bringen.
So  viel  im  Allgemeinen.
Die  gegenwärtige  Schrift  hat  es  mit  nicht  weniger  als  drei
bedeutenden  Persönlichkeiten  zu  thun,  ihnen  den  gebührenden  Platz
in  der  Geschichte  festzustellen.  Zuerst  mit  Anna  von  Luxemburg,
der  Tochter  Kaiser  Karls  IV.  und  Gemahlin  König  Richards  II.
von  England,  mit  welchem  die  Primogeniturlinie  des  grossen  königlichen ­
  Helden  Eduard's  III.  im  Jahre  1400  unglücklich  endete.
Anna  ist  in  der  englischen  Geschichte  und  in  England  überhaupt
besser  bekannt  als  in  Deutschland.  Nicht  blos  Vaughan  (the  life  and
opinions  of  John  de  Wycliffe.  Zweite  Ausgabe  Bd.  II.  1831.  S.  130)
sondern  überhaupt  die  englischen  Schriftsteller,  welche  über
Wycliffe  schrieben,  machen  die  luxemburgische  Kaisertochter  zu
einer  Gönnerin  und  Gesinnungsgenossin  des  berühmten  Lehrers
von  Oxford  und  weisen  ihr  somit  eine  hervorragende  Stellung
unter  den  Königinen  Englands,  ja  unter  denjenigen  Personen  an,
die  sich  ein  Denkmal  in  der  Reformationsgeschichte  setzten,  wie
denn  auch  Miss  Strickland  in  ihren  Lebensbeschreibungen  der  Königinen ­
  von  England  dieses  gethan  hat.  Dass  durch  Anna  Böhmen  in
eine  verhängnissvolle  Verbindung  mit  England  gesetzt  wurde,  die
nicht  ohne  grossen  und  mannigfaltigen  Einfluß  auf  die  Entstehung
der  hussitischen  Bewegung  geblieben  sei,  ist  so  oft  wiederholt
            
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