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Hofier
Karl’s IV. (1378), welcher mit grosser Vorsicht Alles aufgeboten
hatte, den Übergang seiner Regierung zu der des Knaben Wenzel's IV.
so unmerklich als möglich zu machen. Auch nicht der Umstand, dass
in Frankreich 1382 König Karl V., in Ungarn 1382 König Ludwig
der Grosse starben, das deutsche Reich, England, Frankreich last
gleichzeitig in die Hände dreier Unmündigen, —Wenzel, Richard und
Karl VI. —Ungarn, Polen, Neapel in den Resitz dreier Frauen aus dem
Hause Anjou kamen — Maria, Hettwig lind Johanna — reicht hin zu
erklären, warum nur Ein Gefühl den Beobachter beschleicht, das,
dass unaufhaltsam Alles in Trümmer gehe, keine Rettung
mehr möglich sei. Seihst darin liegt nicht das volle Übel, dass für
lange lange Zeit sich keine überwältigende Persönlichkeit, ja überhaupt
keine wahrhaft bedeutende auf den Thronen vorfand, oder
wenn diess der Fall war, sich zu kurze Zeit erhielt, als dass sie
einen nachhaltigen Einfluss gewinnen konnte. Als es nach längerer
Pause wieder zu eigentlichen Königscharakteren kommt, tragen
sie wie Georg von Podiebrad, Ludwig XI. von Frankreich, ein
anderes Gepräge an sich. Das Mittelalter ist unterdessen zu Ende
gekommen.
Was aber die Katastrophe herbeiführte, war die unwiederbringliche
Einbusse an aller und jeder inneren Einheit, seit im Jahre 1 378
die letzte, welche sich eigentlich zum Stützpunkte des Mittelalters
gemacht hatte, das Papstthum gespalten, das grosse Schisma der
Päpste entstanden war. So weit sie konnten, hatten letztere alle Macht
und alle Herrlichkeit an sich gezogen und in sich vereinigt. Sie hatten
nicht blos ein eigenes Staatensystem begründet, zu welchem noch
Papst Clemens VI. 1344 das Fürstenthum der glücklichen Inseln
ausserhalb der Grenzen der alten Continente hinzufügte >)• Sie hatten
sich feierlich alle Macht der Erde beigelegt und die Vereinigung der
höchsten geistlichen und irdischen Gewalt in ihrer Person als Glaubenssatz
bezeichnet, ja die Nichtanerkennung desselben mit dem
Anathem belegt. Das Kaiserthum war nur mehr in der Art wieder
hergestellt worden, wie die Päpste es in ihrem Interesse für gut
fanden. Da sie es so schwach wie möglich gemacht, war es auch
D Siehe die lange Rede des Papstes im Codex serinonum P. Clementts. Bibi. Palat.
Vindob. n. 4195. f. 150.