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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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P  f  i  z  m  a  i  e  r

Zu  den  Zeiten  des  Königs  Tscliao  von  Yen  bestiegen  Menschen
des  Meeres  ein  Schiff  des  rotlien  Wolkendunstes,  füllten  gemeisselte
Töpfe  mit  dem  Fette  des  aufsteigenden  Drachen  und  reichten  es
dem  Könige  Tscliao  als  ein  Geschenk.  Der  König  sass  in  der  Halle
der  verkehrenden  Wolken.  Dieselbe  heisst  auch  die  Erdstufe  des
verkehrenden  rotlien  Wolkendunstes.  Er  verwendete  das  Lampenfett
zu  Lampen,  die  auf  einer  Strecke  von  hundert  Weglängen  leuchteten.
Die  Farbe  des  Rauches  war  mennigroth  und  purpurn.  Die  Menschen
des  Reiches,  die  es  sahen,  sagten  insgesammt,  dass  der  Glanz  eines
glücklichen  Zeichens  sich  von  ferne  angelegt  habe  ,  und  sie  verehrten ­
  es.  Man  verfertigte  angesclilungene  Dochte  von  „im  Feuer
gewaschenem  Tuche“.  Das  Licht  erfüllte  das  Innere  des  Palastes  i).
Was  den  Raum  der  Lampe  der  fünf  Blumen  betrifft,  so  stellte
man  ihn  in  dem  ersten  Monate  des  Jahres,  an  dem  ersten  Tage  des
Neumondes,  wenn  man  an  dem  Hofe  Glück  wünschte,  auf  den  Boden
vor  die  drei  Stufen.  Der  Mond  leuchtete,  die  Sterne  glänzten,  und
obgleich  es  Nacht  war,  hatte  man  noch  immer  Tag 2 ).
Wenn  man  Eidechsenfett  nimmt,  dasselbe  zu  Lampen  verwendet ­
  und  etwas  in  das  Feuer  stellt,  so  sieht  man  sofort  die  Dinge  3 ).
Ki-tschung-san  spielte  die  Cither  unter  der  Lampe.  Plötzlich
erschien  vor  ihm  ein  Mensch,  der  sehr  klein  war.  Nach  einer  Weile
wurde  er  grösser  und  war  alsbald  eine  Klafter  hoch.  Er  trug  ein
einfaches  Kleid  und  einen  ledernen  Gürtel.  Der  Mann  von  dem  Geschlechte
  Ki  betrachtete  ihn.  Nachdem  er  ihn  genau  gesehen,  blies
er  die  Lampe  aus  und  sprach:  Ich  schäme  mich,  mit  einem  Dämon
und  Unhold  um  das  Licht  zu  streiten 4 ).
Fu-tse  sagt:  Wer  mit  seinem  dunklen  Dasein  nicht  zufrieden
ist,  sondern  Freude  hat  an  dem  Glanze,  ist  gleichsam  ein  Nachtschmetterling, ­
  der  die  Finsterniss  verlässt,  sich  auf  die  Lampe
stürzt  und  stirbts).
Thsin-tse  sagt:  Ist  viel  Verstand  und  Einsicht  vorhanden,  so
ziehen  sie  an  sich  Blut  und  Luft  gleichwie  das  Feuer  der  Lampe  das

*)  Die  Geschichte  des  Auflesens  des  Hinterlassenen.
2 )  Wang-lang’s  Alterthümer  von  Thsin.
3 )  Die  sämmtlichen  zehntausend  Künste  von  Hoai-nan
Der  Wald  der  Worte.
5 )  Das  Buch  Fu-tse.

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