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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Eine  baskische  Sprachprobe  liebst  Einleitung  und  Commentar.

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Mahn  bemerkt  in  dieser  Beziehung  sehr  richtig,  man  möge  doch
ja  „die  Flexion,  die,  abgesehen  von  dem  inneren  Lautwandel,  nur  ein
Kind  der  Agglutination  ist,  nicht  zu  hoch,  und  die  Agglutination  nicht
zu  niedrig  anschlagen“,  und  kommt  zu  dem  Resultate,  dass  eigentlich ­
  der  Unterschied  zwischen  Flexion  und  Agglutination  keinen  hesondern
  Werth  habe  4a).  Hat  nun  das  Baskische  die  Flexion  im  Sinne
der  arischen  Sprachen,  die  zum  Theil  auch  noch  erkennbare  Reste
der  Agglutination  aufbewahrt  haben,  nicht  entwickelt,  so  hat  es  denn
doch  auch  schon  diesen  Weg  betreten,  indem  es  verschiedene  Casus
sowohl  im  Singular  als  auch  im  Plural  ausdrükt*«),  wobei  weiter  zu
bemerken  ist,  dass,  wenn  der  bestimmte  Artikel  hinzutritt,  nur  dieser,
nicht  das  Substantiv  declinirt  wird.
Am  allereigenthümlichsten  ist  aber  die  Conjugation;  diese  hat
nicht  bloss  eine  Flexion  mittelst  der  suffigirten  Fürwörter  und  zwar
als  Subjecten,  sondern  sie  drückt  auch  die  objectiven  Verhältnisse ­
  durch  Präfigirung  oder  Sulfigirung  solcher  Fürwörter  aus;
man  hat  daher  diese  Art  der  Conjugation  auch  wohl  mit  dem  Kunstausdrucke ­
  „einverleibend“  bezeichnet.  Auf  den  ersten  Anblick  könnte
man  freilich  erschrecken,  wenn  man  auf  auxiliäre  Verbalformen,  wie
gitzaikenielakoz44)  stösst  und  dazu  vernimmt,  dass  das  Baskische
nicht  weniger  als  206  Conjugationen  habe  45).  Indessen  die  Sache
sieht  gefährlicher  aus,  als  sie  ist;  es  herrscht  in  dem  ganzen  Conjugationssystem
  eine  solche  Einfachheit,  dass  man  auch  wohl  hat
sagen  können:  das  Baskische  habe  nur  Eine  Conjugation46).  Jene
Mannigfaltigkeit  liegt  in  der  Verschiedenheit  der  Einverleibung.  So
ist  z.  B.  die  Conjugation  von  det:  „ich  habe  es“  eine  andere,  als
die  von  dutut:  „ich  habe  sie“  (Plural;  franz.  je  les  ai);  eben  so
eine  andere,  wenn  „ich  habe  es  Ihnen“  (duzutj,  als  wenn:  „ich  habe
es  ihm“  (diotj  conjugirt  werden  soll.  Eine  andere  Merkwürdigkeit  ist
hierbei  noch  die,  dass  die  Form  bei  der  nämlichen  Person  eine  andere
wird,  je  nach  der  Person,  zu  welcher  sie  spricht.  So  ist  z.  B.  niz

42 )  Mahn  a.  a.  0.  S.
4s )  Wir  werden  auf  diesen  Gegenstand  später  zurückkommen  und  verweisen  einstweilen
auf  Duvoisin,  Etüde  sur  la  declinaison  basque.  ßayonne  1866.
D.  h.  weil  wir  dir  (o  Frau!)  sein  werden.
^ 5 )  Dies  war  noch  die  Meinung  von  Astarloa,  a.  a.  0.  p.  151.  —  Vergl.  Humboldt,
Berichtigungen  und  Zusätze  zum  Mithridates.  S.  52.
46 )  Inchauspe,  Le  verbe  basque.  p.  1.  —  Chaho,  Etudes  grammaticales  p.  82.
            
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