Eine baskische Sprachprobe nebst Einleitung- und Commentar. 745
Die baskische Sprache hat zwar einen bestimmten und einen
unbestimmten Artikel, a und bat, aber sie unterscheidet kein Geschlecht;
nur für die weiblichen Thiere bedient sie sich des Surrogates,
dass sie zu dem Namen des Thieres das Wort, welches
„Weib“ bedeutet, nämlich ema, hinzufügt. So heisst z. B. harza* 2 ):
der Bär, harza ema: die Bärin**). Dem entsprechend wird auch
in der Bibelübersetzung von Duvoisin virago durch giz-ema wiedergegeben
s*). Der Artikel dient aber wesentlich auch zur Formation
neuer Substantiva, wozu eben jedes Wort im Baskischen fähig ist.
So heisst aita Vater, aita-a contr. aita: der Vater, aitaren, des
Vaters, aitaren-a, das des Vaters. Ganz dem ähnlich ist es, dass
man durch Hinzufügung der Sylbe -tu, jedes Wort zu einem Verbum
machen kann, z. B. aus dem oben erwähnten aitarena wird dadurch
aitarenatu: „zu dem des Vaters machen“, d. h. Etwas zu des Vaters
Eigenthum machen 35); eine Bildsamkeit der Sprache, die man aber
nicht missbrauchen und durch längere Fortsetzung dieses Verfahrens
lächerlich und abgeschmackt machen darfs«).
Für die Zahlen dient als Grundlage ein combinirtes Decimalund
Vigesimalsvstem 37) und zwar in der Weise, dass jede der Zahза
) Die hier g-ewählten Beispiele g-ehören, wenn nicht etwas anderes dabei bemerkt wird,
dein laburdinischen Dialekte an, der zwar nicht von den meisten Basken g-esprochen
wird, aber die meiste Literatur aufzuweisen hat; es werden demgemäss mehrere
Wörter mit einem anlautenden h angeführt, welches in dem spanischen Baskenlando
nicht gebräuchlich ist (s. S. 739), so auch harza, guipuz. arza.
a3 ) Dem entsprechend wird im Ossetischen das den „Mann“ bezeichnende Wort ebenfalls
bei dem Namen der männlichen Thiere hinzugefiigt; hier heisst arss Bär,
n a 1 - a r s s: der (männliche) Bär, s ü 1 - a r s : die Bärin. Vergl. Sj ö g r e n. Ossetische
Sprachlehre. S. 451. — Es möge noch hinzugefügt werden, dass wir hier von der
etwaigen Verwandtschaft der baskischen mit anderen Sprachen nicht handeln
wollen, auch wenn hier, wie in anderen Fällen, eine gewisse äussere Ähnlichkeit
heranträte.
34 ) G en e s. II. 23: h au deithuko da gizema: Diese ist genannt zu werden
Männin.
35 ) Vergl. Mahn, Denkmäler S. XXIV.
зб ) Aristophanes konnte es als einem Komiker freilich gestattet sein, ein Wort von
77 Syiben zu fabriciren. Vergl. Lecluse a. a. 0. p. 42. — S. auch van Eyss
a. a. 0. p. 16.
37 ) Vergl. Pott, die Sprachverscbiedenheit in Europa an den Zahlwörtern nachgewiesen
Halle 1868.
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