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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

588  Hofier,  Über  die  richtige  Abgrenzung  der  ulten  Geschichte  etc.
der  ismaelitisch-arabiselien  Welt  zu  messen  und  einen  Kampf  zu
bestellen,  der  an  die  Tage  von  Salamis  und  Gaugamela  erinnern
musste.  Die  Gestaltung  des  ersten  grossen  Zeitabschnittes  der  christlichen ­
  Ära  hing  wesentlich  davon  ab,  wie  man  im  Kaiserpalaste  zu
Konstantinopel  die  Weltaufgabe  erfasste.  Hier  ruhten  die  Würfel,
die  über  das  Geschick  von  Jahrhunderten  entschieden.  Als  die  germanischen ­
  Völker  von  der  unteren  Donau  aus  sich  gegen  das  römische
Reich  in  Bewegung  setzten,  konnten  sie  von  der  Hauptstadt  abgeleitet ­
  werden;  man  gab  theilweise  den  Westen  preis,  um  ihn  bei  gelegener ­
  Zeit  wieder  zu  holen.  Als  die  Hunnen  zum  zweiten  Male  hereinbrachen, ­
  wurden  sie  von  Konstantinopel  weg  und  nach  dem  Westen
getrieben,  der  bereits  die  Vereinigung  von  Römern  und  Germanen  sah
und  dadurch  Attila  von  sich  abwehrte.  Als  die  Avaren,  die  Bulgaren,
die  Slaven  kamen,  der  Westen  bereits  seine  Herren  hatte  und  die
neuen  Angriffe  der  illyrischen  Präfeetur  galten,  wurde  all  ihr  Beginnen ­
  dadurch  vereitelt,  dass  keines  von  diesen  Völkern  Konstantinipol ­
  gewinnen  konnte;  als  die  Perser,  die  Araber  losstürmten,
hing  die  Herrschaft  der  Welt  vom  Besitze  von  Konstantinopel  ab.
Als  sie  es  nicht  erlangten,  zerschellten  die  Einen,  zersplitterte  sich
die  Macht  der  Andern  und  rettete  dieser  Felsen,  den  Constantin  aufgethiirmt,
  die  übrige  Welt,  das  christliche  Europa,  nachdem  die
asiatische  und  afrikanische  Christenheit  schon  in  die  Hände  der
Moslim  gefallen  war.  Er  schützte,  ob  mit  ob  gegen  seinen  Willen,
die  Wiege  abendländischer  Cultur,  welche  hinter  ihm  erstarkte  und
den  endlichen  Untergang  Konstantiuopels  mit  seinem  Herzblute  bezahlen ­
  musste.  Damit,  mit  der  Losreissung  des  Zauberringes  vom
christlichen  Europa  begann  dann  auch  die  zweite  Ära  der  neueren
Zeit,  in  welcher  die  Riegel  der  alten  Welt,  in  deren  Verschluss  sich
noch  das  Mittelalter  bewegt  hatte,  völlig  gesprengt  wurden.
            
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