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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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H  ö  f  I  e  r

stantinopel,  noch  gar  nicht  ahnen  Hessen,  um  diese  neue  Kaiserstadt, ­
  Roma  nova,  zur  Hauptstadt  eines  griechischen  Reiches  zu
machen.  Wie  bedeutend  aber  diese  That  für  den  Orient  seihst  war,
hat  das  Auftreten  desselben  in  mehr  als  einhundert  Jahren  sattsam
bewiesen.  Welcher  Pfahl  im  Fleische  damit  gegeben  war,  haben  die
Perser,  die  Araber,  die  Seldschuken,  die  Osmanen  durch  ihre  unablässigen ­
  Angriffe  auf  Konstantinopel  gezeigt,  während  eine  gleiche
Feindschaft  der  Hunnen,  der  Avaren,  der  Rulgaren,  der  Gräcoslaven,
  der  Normanen  die  ungeheure  Bedeutung  dieser  Stadt  für  das
Abendland  bewies.  Sie  war  ein  Wellenbrecher  morgen-  und  abendländischer ­
  Völkerwanderung.  Als  der  Untergang  Alt-Roms  „durch
Erdbeben  und  Blitzstrahlen“  bestimmt  zu  sein  schien,  erhielt
sich  Neu-Rom  und  wurde  es  die  prachtvollste  Stadt  nicht  bios
Europa’s,  von  wo  dem  staunenden  Auge  das  Wunder  moderner  Baukunst, ­
  die  Hagia  Sophia,  entgegenleuchtete.  Es  •  hatte  im  weiten
Westen  nicht  seines  Gleichen;  nur  die  Kalifenstädte,  die  aber  ferne
vom  Zauber  des  Meeres  sich  in  unermesslichem  Schimmer  ausbreiteten, ­
  konnten  an  Ausdehnung,  orientalischer  Pracht,  wenn  auch  nicht
an  Schönheit  der  landschaftlichen  Umgebung,  an  Festigkeit  und
Stärke  mit  Konstantinopel  wetteifern.  Keine  sah  Jahrhundert  für
Jahrhundert  die  Völker  vor  ihren  Mauern  sich  zum  Kampfe  rüsten,
die  See  mit  ihren  Flotten  bedecken  und  eben  so  oft  Land  und  Meer
in  ein  weites  Leichentuch  ihrer  Dränger  und  Bedrücker  umgewandelt.
Alles  dieses  aber  reicht  nicht  aus,  die  Gründung  von  Konstantinopel'
als  ein  weltgeschichtliches  Ereigniss  zu  kennzeichnen,  stark  genug,
als  Marksäule  zwischen  Alterthum  und  neuer  Zeit  bleibend  aufgerichtet ­
  zu  werden.
Die  alte  Geschichte  trägt  den  Charakter  eines  zweifachen
Dualismus  an  sich.  Der  eine,  der  Kampf  zwischen  Orient  und
Oecident,  ist  seit  den  Tagen  von  Marathon,  Salamis  und  Platäa,
seit  dem  Auftreten  der  Römermacht  zu  Gunsten  des  Oecidentes
entschieden,  obwohl  die  Macht  des  Orientes  selbst  den  macedonischen
  Sieger  in  ihren  geheimnisvollen  Zauberkreis  zu  ziehen  vermochte ­
  und  der  König,  welcher  Persepolis  den  Flammen  übergab,
doch  von  Babylon  aus  die  Welt  zu  regieren  gedachte.  Gegen  das
Ende  der  alten  Welt  war  das  neupersische  Reich,  die  Sassanidenherrschatt
  mit  all  den  Traditionen  von  Weltherrschaft,  die  das
frühere  Achameni  den  reich  besass,  mit  der  Feindschaft  gegen  den
            
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