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H ö f I e r
stantinopel, noch gar nicht ahnen Hessen, um diese neue Kaiserstadt,
Roma nova, zur Hauptstadt eines griechischen Reiches zu
machen. Wie bedeutend aber diese That für den Orient seihst war,
hat das Auftreten desselben in mehr als einhundert Jahren sattsam
bewiesen. Welcher Pfahl im Fleische damit gegeben war, haben die
Perser, die Araber, die Seldschuken, die Osmanen durch ihre unablässigen
Angriffe auf Konstantinopel gezeigt, während eine gleiche
Feindschaft der Hunnen, der Avaren, der Rulgaren, der Gräcoslaven,
der Normanen die ungeheure Bedeutung dieser Stadt für das
Abendland bewies. Sie war ein Wellenbrecher morgen- und abendländischer
Völkerwanderung. Als der Untergang Alt-Roms „durch
Erdbeben und Blitzstrahlen“ bestimmt zu sein schien, erhielt
sich Neu-Rom und wurde es die prachtvollste Stadt nicht bios
Europa’s, von wo dem staunenden Auge das Wunder moderner Baukunst,
die Hagia Sophia, entgegenleuchtete. Es • hatte im weiten
Westen nicht seines Gleichen; nur die Kalifenstädte, die aber ferne
vom Zauber des Meeres sich in unermesslichem Schimmer ausbreiteten,
konnten an Ausdehnung, orientalischer Pracht, wenn auch nicht
an Schönheit der landschaftlichen Umgebung, an Festigkeit und
Stärke mit Konstantinopel wetteifern. Keine sah Jahrhundert für
Jahrhundert die Völker vor ihren Mauern sich zum Kampfe rüsten,
die See mit ihren Flotten bedecken und eben so oft Land und Meer
in ein weites Leichentuch ihrer Dränger und Bedrücker umgewandelt.
Alles dieses aber reicht nicht aus, die Gründung von Konstantinopel'
als ein weltgeschichtliches Ereigniss zu kennzeichnen, stark genug,
als Marksäule zwischen Alterthum und neuer Zeit bleibend aufgerichtet
zu werden.
Die alte Geschichte trägt den Charakter eines zweifachen
Dualismus an sich. Der eine, der Kampf zwischen Orient und
Oecident, ist seit den Tagen von Marathon, Salamis und Platäa,
seit dem Auftreten der Römermacht zu Gunsten des Oecidentes
entschieden, obwohl die Macht des Orientes selbst den macedonischen
Sieger in ihren geheimnisvollen Zauberkreis zu ziehen vermochte
und der König, welcher Persepolis den Flammen übergab,
doch von Babylon aus die Welt zu regieren gedachte. Gegen das
Ende der alten Welt war das neupersische Reich, die Sassanidenherrschatt
mit all den Traditionen von Weltherrschaft, die das
frühere Achameni den reich besass, mit der Feindschaft gegen den