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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Über  die  richtige  Abgrenzung  der  alten  Geschichte  etc.

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Angelegenheiten  des  ostgothischen  Reiches  mit  Waffengewalt  einzumischen. ­

Nun  hatte  aber  das  Ereigniss  des  Jahres  476  gar  keine  universal-historische ­
  Bedeutung,  selbst  für  Italien  nur  eine  vorübergehende,
da  die  Herrschaft  Odoakers  zu  kurze  Zeit  dauerte  und  von  der  der
Dstgothen  ebenso  nach  17  Jahren  (493)  beseitigt  wurde,  wie  die
letzter  554  von  der  römischen,  worauf  erst  die  Wiederherstellung
des  römischen  Reiches  erfolgte.  Ist  es  doch  höchst  bezeichnend,  daß
Zonaras  von  diesem  welthistorischen  Factum  des  Jahres  476  gar
nichts  berichtet!
Man  kann  sich  nicht  der  Hoffnung  Raum  gehen,  dass  Andere,
welche  als  Scheidepunkt  den  Tod  des  Theodosius  und  die  Theilung
des  römischen  Reiches  in  zwei  Hälften,  eine  östliche  und  eine  westliche, ­
  annahmen,  von  dem  Gedanken  erfüllt  waren,  die  Periodisirung
nach  dem  Jahre  476  biete  zu  wenige  Anhaltspunkte  dar;  denn  welche
die  nach  dem  Jahre  395  oder  gar  408  bieten  solle,  vermag  Niemand
einzusehen.  Es  müsste  nur  sein,  dass  man  dem  Wahne  huldigte,  erst
damals  sei  eine  derartige  Scheidung  erfolgt,  während  dieselbe  doch
bis  auf  Marc  Anton  den  Triumviren  zurückgeht  und  abgesehen  von
den  Zeiten  der  Antonine  und  des  Diocletian  sich  bei  den  Flaviern
und  der  pannonischen  Dynastie  vorfmdet,  ja  Regel  ist.
Es  ist  auch  vollständig  begreiflich,  dass  tiefer  Denkende  von
solchen  äusseren  Veranlassungen  und  vorübergehenden  Thatsacheu
abstrahirten  und  auf  wichtigere  Momente,  welche  ein  wahrhaft  welthistorisches ­
  Gepräge  an  sich  trugen,  die  Scheidung  der  Welten  zu
begründen  suchten.  Dass  unter  diesen  die  Völkerwanderung  eine
hervorragende  Bedeutung  einnehme,  wird  Niemand  läugnen  wollen.
Dass  dem  verderbten  Geschlechte,  welchem  selbst  das  Christenthum ­
  in  seiner  Jugendblüthe  nicht  mehr  Rettung  brachte,  ein  wenn
auch  rohes,  doch  besseres  an  die  Seite  gesetzt,  es  von  diesem  verdrängt ­
  werden  müsse,  wenn  es  sich  nicht  bessere,  ist  nicht  blos  die
Ansicht  neuerer  Geschichtschreiber  und  Philosophen,  sondern  durchdringt ­
  auch  jene  Zeit  seihst,  w'enngleich  sicher  ist,  dass  ein  plötzlicher ­
  Bruch  mit  der  Vergangenheit,  eine  Zerstörung  jener  Culturelemente,
  welche  das  römische  Reich  aus  den  beiden  Welten  des
Alterthums,  der  hellenisch-polytheistischen  und  der  hebräisch-monotheistischen ­
  mit  herübergebracht  hat,  das  sicherste  Mittel  gewesen
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