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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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Phillips

lande  gelangt  sind  t).  Sieht  man  sich  hier  nach  einer  Parallele  um,  so
scheint  sich  eine  solche  in  der  Eroberung  Britanniens  durch  die
Angelsachsen  zu  bieten.  In  so  fern  waren  die  Verhältnisse  verschieden, ­
  als  die  rasch  aufeinanderfolgenden  „Schiffsheere“  der
Angelsachsen  2 )  dort  eine  bereits  ansässige  Bevölkerung  vorfanden,
während  die  Iberer,  als  die  ersten  Ansiedler  der  pyrenäischen  Halbinsel, ­
  diese  noch  unbewohnt  antrafen  und  daher  bei  ihrer  Besitzesergreifung ­
  keine  anderen  Hindernisse  zu  überwinden  fanden,  als  diejenigen, ­
  welche  ihnen  die  natürliche  Beschaffenheit  des  Landes  entgegenstellte. ­
  So  lange  es  also  unter  den  Eingewanderten  selbst  nicht
zu  Streitigkeiten  kam,  war  die  „Landnahme“  —  ein  guter  germanischer ­
  Ausdruck  für  Occupation  s)  —  eine  ganz  friedliche.
Jener  Vergleich  mit  den  Angelsachsen  lässt  sich  auch  wohl
hier  ganz  passend  ziehen,  als  wahrscheinlich  verschiedene  iberische
Scharen  auch  auf  verschiedenen  Punkten  der  Halbinsel  landeten.  Es
ist  nicht  zu  bezweifeln,  dass  manche  derselben  auch  über  die
Säulen  des  Hercules  hinausgefahren  sind  und  sich  dann  auf  der
Westküste  Hispaniens  niedergelassen  haben.  Hiebei  versteht  es  sich
gewissermassen  von  seihst,  dass  die  Mündungen  der  Flüsse  in
dieser  Hinsicht  am  einladendsten  waren,  wie  ja  auch  nachmals  die
Normannen  gewöhnlich  mit  der  Einfahrt  in  die  grösseren  Ströme
ihre  verheerenden  Kämpfe  gegen  das  Frankenreich  begannen 4 ).
Man  scheint  es  nicht  in  Zweifel  ziehen  zu  dürfen,  dass
der  iberische  Volksstamm  sich  über  die  ganze  pyrenäische  Halbinsel
verbreitet  hat,  d.  h.  dass  auf  den  verschiedensten  Punkten  derselben
Niederlassungen  stattgefunden  haben  und  dass  von  diesen  aus
bei  Zunahme  der  Bevölkerung,  d.  h.  heim  Anwachsen  der  einzelnen ­
  ansässig  gewordenen  Geschlechter  (gentilitates)  eine  weitere ­
  Verbreitung  stattgefunden  hat.  Oh  aber  dies  so  zu  verstehen  ist,
als  ob  wirklich  das  alteHispanien  ganz  und  gar  von  Iberern  bevölkert
worden  ist,  möchte  doch  nicht  mit  Bestimmtheit  anzugeben  sein.  Es
hat  in  der  That  den  Anschein,  als  oh  die  Iberer  verhältnissmässig  nicht
sehr  zahlreich  gewesen  seien  und  daher  auch  noch  für  andere  später
*)  S.  oben  IV.  B.  S.  540.
2 )  Chronol.  Saxonica,  ann.  477.  495.  501.
8 )  Sie  gehört  dem  Isländischen  an  und  ist  zuerst  von  B  1  u  n  t  s  c  h  1  i  ,  Kritische
Überschau.  Bd.  2.  S.  312.  in  die  deutsche  Rechtssprache  eingeführt.
4 )  Vergl.  meine  englische  Reichs-  und  Rechtsgeschichte.  Bd.  l.S.  14—29.
            
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